Mittwoch, 26. April 2017

"Bild" ist heute der Qualitätsmassstab des deutschen Journalismus- drunter geht immer, drüber niemals


Russlands Präsident Wladimir Putin (64) erlaubt Reportern beim Confederations Cup im Sommer keine freie Berichterstattung. Und die Fifa spielt mit. Der Skandal, der auch unsere National-Elf betrifft“,
und alle sprangen drüber.

Ob Politiker wie der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion im Bundestag, Michael Grosse-Brömer (CDU):
Die Akkreditierungsvorschriften für den Fifa-Konföderations-Pokal zeigen ein seltsames Verständnis von Pressefreiheit. Offenbar herrscht in Russland große Angst vor einer freien Berichterstattung über die Zustände im Land“,
oder der angebliche SPD-Linke Ralf Stegner:
Genauso wenig, wie wir es richtig finden, wenn US-Präsident Trump die ‚Lügenpresse‘ beschimpft, können wir es akzeptieren, wenn Putin oder die Fifa die Pressefreiheit einschränken.“,
die Sportfunktionäre wied as langjährige CDU-Mitglied und DFB-Präsident Reinhard Grindel:
Ich werde mich bei der Fifa-Ratssitzung am 9. Mai dafür einsetzen, dass die beim Confed Cup akkreditierten Journalisten frei berichten können. Es wäre ein wichtiges Signal für ‎die WM 2018, wenn schon beim Vorbereitungsturnier das russische Organisationskomitee deutlich macht, dass es keine Einschränkungen der Pressefreiheit gibt“,
oder Liga-Präsident Reinhard Rauball:
Die uneingeschränkte Meinungs- und Pressefreiheit gehört zu den Menschenrechten. Die Wahrung der Menschenrechte muss auch bei einem sportlichen Großereignis sichergestellt werden – egal, wo es stattfindet“,
oder Frank Überall aus dem Bundesvorstand des Deutschen Journalistenverbandes, der schon mal "die die positiven Effekte der „situativen Kooperation“ und des Netzwerkens" hervorhebt, wenn er sich zu Korruption äussert:
Die Fifa lässt sich hier vor den Karren einer menschenrechtsfeindlichen Regierungspolitik spannen, indem sie Journalisten massiv in ihrer Arbeit behindert. Man muss darüber nachdenken, ob man solche Turniere künftig noch in Ländern austragen kann, die die Pressefreiheit mit Füßen treten“,
alle eilten sie der „Bild“ an die Seite.

Und weil nun einmal in den Qualitätsmedien das Wunschdenken die Fakten ersetzt hat, waren auch die diensteifrigen Redakteurchen sofort zur Stelle und witterten dunkle Machenschaften zwischen der FIFA und dem Bösewicht vom Dienst, dem russischen Präsidenten Wladimir Waldirimitsch Putin, gemeinhin einfach nur Putin genannt.

Landauf – landab, von der „Aachener Zeitung“ bis hin zu „Zeit online“ empörten sich die Produzenten der veröffentlichten Meinung. Der „Focus“ sah die:
Fifa von Putin "vor den Karren gespannt": Zensur-Skandal vor dem Confed-Cup
n-tv fragte besorgt:
Zensur beim Confed-Cup?: Fifa beschränkt Journalisten, DFB protestiert
sich die Neue Westfälische da ganz siche war:
Russland schränkt Pressefreiheit für Confed Cup ein“,
der „Tagesspiegel“ widmete dem Thema gleich zwei Artikel:
Confed Cup in Russland: Fifa will Journalisten einen Maulkorb verpassen“
und:
Russland: Fifa-Vorgaben für Confed Cup verärgern Journalisten“.
Da mochte sich auch das Sturmgeschütz des deutschen Rundfunkwesens, der „Deutschlandfunk“  nicht lumpen lassen. Seine Beiträge betitelte er:
Confederations Cup - Russland schränkt Pressefreiheit ein“,
und:
Confed-Cup in Russland DJV und DFB fordern volle Freiheit bei Berichterstattung“.
Wie immer, wenn es darum geht die Deutschen umfassend zu desinformieren, wollte auch Dr. Gniffkes ARD-Aktuell Flaggschiff, die „Tagesschau" nicht abseits stehen:
FIFA: Debatte über Medienregeln bei Confed Cup“,
dichtet die Redaktion.

 Hier eine kleine Auswahl von 60 Titeln aus dem Rauschen im deutschen Blätterwald:

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Aachener Zeitung Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
Abendzeitung Russland: Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
Allgemeine Zeitung Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
Augsburger Allgemeine Confed Cup: Kurze Leine für Journalisten
Berliner Zeitung Kommentar zum Confed Cup 2017: Von Putin gelenkte Pressefreiheit
Bürstädter Zeitung Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
Deutsche Welle DFB-Kritik an Confed-Cup-Akkreditierung
Deutschlandfunk Confederations Cup - Russland schränkt Pressefreiheit ein
Deutschlandfunk Confed-Cup in Russland DJV und DFB fordern volle Freiheit bei Berichterstattung
DIE WELT Confed-Cup droht Zensur
Emder Zeitung Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
FAZ – Frankfurter Allgemeine Zeitung Bei Confed Cup in Russland: Die Fifa will kritische Berichte stark einschränken
FOCUS Online Fifa von Putin "vor den Karren gespannt": Zensur-Skandal vor dem Confed-Cup
FOCUS Online Fußball: Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
Frankfurter Neue Presse Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
Gelnhäuser Tageblatt Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
Gießener Anzeiger Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
Hamburger Abendblatt Protestwelle wegen Medienregeln beim Confed Cup
Hamburger Morgenpost Confed Cup in Russland: Protest gegen FIFA-Zensur
Handelsblatt Fußball: Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
Hildesheimer-allgemeine Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
inFranken Die Bühne der Despoten
Kölner Stadt-Anzeiger Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
Kreis-Anzeiger Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
Lampertsheimer Zeitung Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
Main-Spitze Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
Mitteldeutsche Zeitung Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
N-tv Zensur beim Confed-Cup?: Fifa beschränkt Journalisten, DFB protestiert
Neue Westfälische Russland schränkt Pressefreiheit für Confed Cup ein
neues deutschland Einschränkung für Medien
Nordwest-Zeitung Confed Cup: Journalisten fürchten Verbote in Russland
Nordwest-Zeitung Kritik An Akkreditierungsbestimmungen: Fifa beschwichtigt Sportjournalisten
Oberhesseische Zeitung Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
Oberhessische Zeitung Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
Passauer Neue Presse Confed Cup: Kritik an Einschränkungen für Journalisten
RevierSport Rauball sieht Rechte von Reportern in Gefahr
Rhein-Neckar-Zeitung Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
RP ONLINE Confed Cup 2017: Mögliche Zensur ruft DFB und DFL auf den Plan
RP ONLINE Confed Cup 2017: FIFA duldet eingeschränkte Pressefreiheit
Schwäbisches Tageblatt Russland und Fifa in großer Erklärungsnot
Schwarzwälder Bote Russland: Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
SPIEGEL ONLINE Confed Cup: Fifa schränkt kritische Berichterstattung ein
Süddeutsche.de Confed Cup in Russland - Journalisten fürchten Einschränkungen beim Confed Cup
Südwest-Presse Russland und Fifa in großer Erklärungsnot
T-online Russland: DFB wehrt sich gegen "Maulkorb"
Tagesschau FIFA: Debatte über Medienregeln bei Confed Cup
Tagesspiegel Russland: Fifa-Vorgaben für Confed Cup verärgern Journalisten
Tagesspiegel Confed Cup in Russland: Fifa will Journalisten einen Maulkorb verpassen
Traunsteiger Tageblatt Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
Usinger Anzeiger Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
Volksstimme Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
Walsroder Zeitung Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
Werwesten Grindel und Rauball fordern Pressefreiheit beim Confed Cup
Westdeutsche Allgemeine Zeitung Pressefreiheit beim Confed-Cup: Russland in der Kritik
Westlälische Rundschau Pressefreiheit beim Confed-Cup: Russland in der Kritik
Westlfalenpost Pressefreiheit beim Confed-Cup: Russland in der Kritik
Wiesbadener Tageblatt Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
Wirtschaft.com SPD und Grüne: Merkel muss sich bei Putin für Pressefreiheit einsetzen
Wormser Zeitung Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
ZEIT ONLINE Fußball: Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
 

Was war passiert, was hatte einen solchen Shitstorm in den deutschen Redaktionsstuben ausgelöst?

"Bild“ hatte einmal mehr den Beweis angetreten, dass man auch aus rein gar nichts einen Riesen-Skandal entwickeln kann, wenn man nur laut genug brüllt und den gerade vorherrschenden Trend im deutschen Pressewesen bedient. Und dieser Trend ist nun einmal ein allgemeines Putin-Bashing und die Erkenntnis das Sportfunktionäre im allgemeinen und die der FIFA im besonderen ausnahmslos korrupt sind und ein besonderes Faible für Staaten haben, die nicht gerade im Verdacht stehen, lupenreine Demokratien zu sein.

"Bild“ hatte sich einmal die Richtlinien der vereinfachten Akkreditierung der FIFA für Journalisten angesehen, die vom Confed-Cup, der vom 03. Juni bis zum 10. Juli in Russland stattfindet. Dabei war den Schlaubergern von der „Bild“ aufgefallen, das es ein paar Formulierungen gab, die, wenn man denn unbedingt wollte, auch falsch verstehen konnte.

Darin hiess es :
  1. Medienvertreter mit einer Akkreditierung für den FIFA Konföderationen-Pokal dürfen ausschliesslich über den FIFA Konföderationen-Pokal 2017 und damit verbundene Ereignisse berichten.
  2. Medienvertreter mit einer Akkreditierung für den FIFA Konföderationen-Pokal dürfen nur auf dem Gebiet der Spielorte und nahegelegener Sehenswürdigkeiten tätig sein.
Bild“ und nahezu alle anderen Medien sahen unisono die Pressefreiheit im Äussersten gefährdet, was ja, wie man ohnehin weiß, in Russland der Standard ist.
Allerdings war die ganze Aufregung umsonst und durch die Akkreditierungsrichtlinien der FIFA auch keineswegs begründet. Handelt es sich doch, und das steht auch im Text, um eine vereinfachte Akkreditierung, ausschliesslich für Pressevertreter die nur von dem Sportereignis berichten wollen. Alle Reporter, die darüber hinaus über Land und Leute berichten wollen steht natürlich die ganz normale AM-Akkreditierung offen. Es ist also ein Serviceangebot der FIFA, das für einen speziellen Fall speziell konfiguriert ist.
Besonders erregten sich die Herrschaften über die Textpassage „ dürfen ausschliesslich über den FIFA Konföderationen-Pokal 2017 und damit verbundene Ereignisse berichten“. Eine Regelung, die im übrigen bei Events ähnlicher Art so oder so ähnlich üblich ist. So heisst es etwa in den Akkrediteirungsrichtlinien der deutschesten alle deutschen Sportveranstaltungen dem „Internationalen Deutschen Turnfest“ in Berlin vom 03. bis zum 10. Juni 2017:
Mit einer Presseakkreditierung des Turnfests Berlin 2017 sind nur redaktionelle Tätigkeiten möglich, die in unmittelbarem Bezug zur Veranstaltung stehen.“
Bisher sind keine Proteste weder von der „Bild“ noch von irgendwelchen anderen Medien bekannt geworden, in denen etwa von einer Zensur der Presse beim „Deutschen Internationale Turnfest“, dem deutschen Turnerbund oder gar einem Komplott von deutschem Turnerbund und Bundeskanzlerin Angela Merkel, niemals nur kurz Merkel genannt, zwecks Einführung der Zensur, die Rede gewesen wäre.
Der zweite Aufreger ist die Formulierung in Absatz 2: „... dürfen nur auf dem Gebiet der Spielorte und nahegelegener Sehenswürdigkeiten tätig sein“.
Macht man sich die Mühe und schaut einmal im englischen oder französischen Text nach so steht dort:
Media repräsentatives accredited for the FIFA Confederations Cup are allowed to work on the territory of the host cities and cultural sites located nearby.“
oder:
Les représentants des médias accrédités pour la Coupe des Confédérations sont autorisés à travailler sur le territoire des villes hôtes et sur les sites culturels avoisinants.“
In beiden Texten fehlt das Äquivalent für das im Deutschen einschränkende Wort „nur“, das allerdings in der spanischen Version wieder auftaucht. Da davon auszugehen ist, dass die Redakteure des Textes bei der FIFA sicher dem englisch und französischem eher mächtig sind als dem Deutschen und dem Spanischen, kann man davon ausgehen, dass es sich hier nur um eine mangelhafte Übersetzung handelt. Einfach mal ein wenig am Text manipuliert, und schon hat die Meldung den richtigen Spin.
Wer wollte konnte und bei sorgfältiger Betrachtung der Fakten, musste eigentlich die ganze Angelegenheit in einem ganz anderen Licht sehen. So unterzieht die „Osnabrücker Zeitung“ die Akkreditierungsrichtlinien eines in letzter Zeit auch in anderen Publikationen und vor allen Dingen in umgekehrtem Zusammenhang so beliebt geworden Faktencheck. Der stellvertretende Chefredakteur des Blattes, Burkhard Ewert erklärte seinen verdutzten Kollegen:
In vielen Ländern der Welt brauchen ausländische Journalisten Visa für ihre Arbeit. In den USA, in der Türkei, in Israel – und eben auch in Russland. Um den in großer Zahl und nur für kürzeste Zeit einreisenden Sportjournalisten beim Confed-Cup ihre Arbeit zu erleichtern, führte das russische Aussenministerium als Entgegenkommen eine Sonderregelung ein: Die Reporter müssen nicht zwangsläufig das – durchaus umständliche – reguläre amtliche Visa verfahren durchlaufen. Eine Registrierung bei der FIFA genügt, die dann über die Botschaften eine Sammelfreigabe für die Journalisten einholt.“
Mit diesem „Spar-Visum“sei die Berichterstattung über die Spiele und Schauplätze unbürokratisch möglich. Wer als Journalist mehr wolle, so Ewert, dem stehe es ganz und gar frei, sich wie in anderen Ländern ein reguläres Visum zu besorgen.
Auch Oliver Frick, ARD-Teamchef für den Hörfunk beim Confed-Cup fällt es sichtlich schwer, die Aufregung in den deutschen Medien zu verstehen und nachzuvollziehen. Auf die Frage ob es unüblich sei was die russischen Behörden von den Journalisten verlangten antwortet Frick:
Ich habe meinen Bogen vor mir liegen. Da steht: Oliver Uwe Frick, ARD-Radio Deutschland, Management, wir freuen uns Sie akkreditieren zu dürfen. Hiermit wird die Akkreditierung erteilt. Ich habe auch ein Visum bekommen bis Dezember 2018 über die FIFA und die lokalen Organisationen. Das war überhaupt kein Problem. Ich habe sogar eine Berechtigung zu filmen vom 17. Mai bis zum 10. Juli. Die Basecamps der Teams, irgendwelche Denkmäler, kulturelle Stätten, alle Städte in Russland.“
Und so Frick:
...ich habe nachgeschaut: genau dieses Formular habe ich schon 2009 vor Südafrika bekommen und auch 2013 vor Brasilien. Das ist einfach ein Standardschriftsatz der FIFA.“

Bis zum obersten aller Journalisten, dem Vorsitzenden des Bundesvorstand des Deutschen Journalistenverbandes, Frank Überall sind solche Erfahrungen noch nicht durchgedrungen. Der schrieb noch gestern an den FIFA-Präsidenten Gianni Infantino einen Brief, den er natürlich nicht vergass öffentlich zu machen.
"Das sind Bedingungen einer Diktatur, die Angst davor hat, dass in den Medien kritische Berichte über das politische, wirtschaftliche und soziale Umfeld der Spiele erscheinen könnte“,
erboste sich der Verbandschef, der im übrigen auf dem Verbandstag in diesem Jahr in seinem Amt bestätigt werden möchte. Da ist es unter Umständen nicht hilfreich, wenn man sich gegen eine mächtige Lobby stellt.

Seriöse Berichterstattung entlang sorgfältiger Recherche war gestern. Heute ist Randale und Klamauk, Manipulation und Propaganda. Wer sich nicht streckt, der bleibt auf der Strecke, das gilt vom kleinen Praktikanten in der Lokalredaktion des mickrigsten Käseblatts bis zum Verbandsboss der Journalisten.

Donnerstag, 20. April 2017

Persönlich vernichten - der Umgang deutscher Mainstream-Medien mit den Vertretern oppositioneller Meinungen


 Die Meldung in der ZDF-Sendung „heute“ am Donnerstag, den 13.04. um 12:00 Uhr war kurz und knapp:
Russland hat mit seinem Veto im UN-Sicherheitsrat erneut eine Resolution zu dem Giftgasangriff in Syrien verhindert. Diese sah vor, die Attacke zu verurteilen und die Syrische Regierung aufzufordern mit internationalen Ermittlern zusammen zu arbeiten. Es ist bereits das achte Mal, dass Moskau eine Syrien-Resulotion blockiert. Die Russische Regierung ist ein enger Verbündeter des syrischen Präsidenten Assad.“
 Diese Art der selektiven Berichterstattung ist mittlerweile zum Standard des deutschen Mainstream geworden. Berichtet wird nicht vollständig und umfänglich sondern nur das, was in die eigene politische Agenda passt. Bereits im zweiten Satz wird postuliert, die von den USA, Frankreich, Großbritannien eingebrachte Resolution verurteile allgemeine die Giftgasattacke.

  Das ist zwar nicht falsch, nur verschweigt das ZDF, dass die Resolution explizit Syrien als Schuldigen für den Einsatz von Sarin verantwortlich macht. Was nach dem jetzigen Erkenntnisstand nicht bewiesen ist. Würde die Resolution in der eingereichten Form beschlossen, so wäre ein Schuldiger bereits benannt und die Richtung der beantragten Untersuchung würde insofern vorbestimmt, als dass ausschliesslich Beweise für die Urheberschaft Syriens gesucht würden. Das ist so als würde jemand wegen Mordes festgenommen und die Polizei bekäme den Auftrag nun, und zwar ausschliesslich, nach den Bewiesen für die Täterschaft des Festgenommenen suchen.

  Mit der Forderung an Syrien, alle Flugpläne offen zu legen, alle Personen zu benennen, die dazu in der Lage sind, die Flugzeuge der syrischen Armee fliegen, die an der Vorbereitung, der Durchführung und der Anordnung von Einsätzen der syrischen Luftwaffe beteiligt sind und der Untersuchungskommission Zugang zu allen syrischen Militärbasen zu gewähren, werden Bedingungen gestellt, die für keinen Staat der Welt annehmbar sind. Eine Zustimmung zu diesen Forderungen würde die Aufgabe jeglicher Souveränität des syrischen Staates bedeuten.

  Aber es war auch wohl nicht Sinn und Zweck des Resolutionsentwurfes, wirklich an der Aufklärung des Giftgasvorfalles mitzuarbeiten. Vielmehr sollte der schwarze Peter aus Propagandazwecken Syrien und Russland zugeschoben werden. Das ZDF bedient diesen Plan mit seiner Meldung auf das Vortrefflichste. Dazu dient dann auch der Satz:
Es ist bereits das achte Mal, dass Moskau eine Syrien-Resulotion blockiert.“
  Völlig undifferenziert werden einfach alle Vetos, die Russland im Laufe des Syrienkonflikts im UN-Sicherheitsrat eingelegt hat summiert. Dass es dabei um völlig unterschiedliche Themen ging scheint dem öffentlich-rechtlichen Sender nicht erwähnenswert.Dabei unterliegt der Sender den Bestimmungen des ZDF-Staatsvertrages, der in seinem § 6 Absatz 1, klipp und klar regelt:
Die Berichterstattung soll umfassend, wahrheitsgetreu und sachlich sein. Herkunft und Inhalt der zur Veröffentlichung bestimmten Berichte sind sorgfältig zu prüfen.“
  Niemand kommt beim ZDF auf die Idee die Dutzende von Vetos, die die diversen Botschafterinnen der USA bei den Vereinten Nationen im Weltsicherheitsrat in den letzten Jahren eingelegt haben wenn es um Israel und die Frage der Palästinenser ging, einfach nur zusammenzuzählen und daraus einen Vorwurf gegen die USA zu formulieren.

  So war mit den ersten Resolutionsentwürfen zum Syrienkonflikt ab 2011 der Versuch verbunden, den Weltsicherheitsrat als ein Instrument der Kriegsführung in Syrien zu missbrauchen. Der Westen versuchte mehrfach eine Flugverbotszone in in dem Land einzurichten, ähnlich wie in Libyen. Damals hatte der Westen Russland und China mit dem Argument, man wolle die Zivilbevölkerung vor der Luftwaffe Gaddafis schützen, zu einer Stimmenthaltung im Sicherheitsrat bewogen.

 Kaum war die Resolution verabschiedet, bombte der Westen selbst fröhlich drauflos und verkündete frank und frei es gehe nicht im geringsten um den Schutz der Bevölkerung sondern einzig und allein darum, Gaddafi zu beseitigen und der eigenen Klientel in Libyen an die Macht zu verhelfen. Russland und China haben aus diesem Vorfall ihre Konsequenzen gezogen und nutzen seitdem die Möglichkeit, durch ihr Veto, dem Westen der Möglichkeit zu berauben, die UN als ein Instrument seiner eigenen Kriegsführung zu missbrauchen.

  In den deutschen Mainstream-Medien besteht offensichtlich kein Interesse, die Menschen umfassend zu informieren. Sie berichten und kommentieren nur in eine ganz bestimmte Richtung. Dabei scheint ihnen auch die Wahl ihrer Mittel vollkommen egal zu sein. Wer nicht spurt, wer eine andere Meinung vertritt, wer auf Fakten hinweist, die dieser Richtung widersprechen, der wird gnadenlos niedergemacht.

  Wie mit Leuten umgegangen wird, die dem Mainstream widersprechen und sei es nur indem sie darauf hinweisen, dass die Schuld an dem Konflikt in Syrien nicht nur auf einer Seite zu suchen ist, musste der Nahostexperte Michael Lüders erfahren. Zunächst wurde ihm vorgeworfen, er habe in der Sendung „Marcus Lanz“ vom 05. April, den türkischen Journalisten Can Dündar dazu missbraucht, die Öffentlichkeit darüber zu täuschen wer für den Giftgasangriff am 31. August 2013 verantwortlich sei. Der Deutschlandfunk schreibt auf seiner Internetseite:
Er (Lüders) führte aus, dass schon 2013 bei einem Giftgasangriff in Ghouta, östlich von Damaskus, mit vermutlich mehreren Hundert Toten Gas verwendet worden sei, das der türkische Geheimdienst an die Nusra-Front, den Al-Qaida-Ableger in Syrien, geliefert habe.“
Der Deutschlandfunk fährt fort indem er Lüders wörtlich zitiert:
Mittlerweile wissen wir, dass es mit einer sehr großen Wahrscheinlichkeit nicht das Regime war, das für diesen Giftgasangriff verantwortlich war.“
  Wohlweislich zitiert der DLF nur diesen einen Satz Lüders wortgenau. Danach werden Lüders die Worte vom Sender in den Mund gelegt:
Die ersten, die darüber berichtet hätten, seien türkische Journalisten gewesen, darunter Can Dündar, der im Anschluss wegen seiner Berichte über die Waffenlieferungen der Türkei nach Syrien habe fliehen müssen“,
habe Lüders angeblich gesagt, behauptet der Deutschlandfunk. Sieht man sich die Aufzeichnung der Sendung noch einmal an, so stellt man fest, dass Lüders im Zusammenhang mit Can Dündar von Waffenlieferungen im allgemeinen spricht, die die Türkei an die Al-Nusra geleistet hat. Zwar sagt er zunächst:
Wir wissen, dass die Türkei die Nusra-Front und andere Gruppierungen mit Saringas ausgestattet hat und sie stellen Saringas selber her.Und die ersten die darüber berichtet haben waren türkische Journalisten, darunter auch Can Dündar: Der musste fliehen vor Erdogan und lebt jetzt in Deutschland im Exil. Der war Chefredakteur der Zeitschrift Cumhüyriet.“
Als Lanz dann einwirft:
Der hat darüber berichtet, das stimmt“,
scheint Lüders seinen Fehler zu bemerken und berichtigt sich:
Der (Can Dündar) hat darüber berichtet, diese Waffenlieferung der syrischen - der türkischen Geheimdienste - des türkischen Geheimdienstes in Richtung Nusra-Front und anderer und daraufhin hat Erdogan persönlich Anklage gegen ihn erhoben wegen Hochverrat.“
Er benutzt hier ausdrücklich das Wort „Waffenlieferung“.

  Dass Lüders die Waffenlieferungen der Türkei an die Dschihadisten meint, zeigt auch ein Blick in sein Buch „Die den Sturm ernten – Wie der Westen Syrien ins Chaos stürzte“. Beginnend auf Seite 113 schreibt Lüders:
Türkische Journalisten, die über diese Waffenlieferungen berichten, riskieren ihre Verhaftung und ein Verfahren wegen Landesverrats. Am bekanntesten ist der Fall des ehemaligen Chefredakteurs von «Cumhuriyet», Can Dündar. Nachdem er 2015 geheime Dokumente über türkische Waffenlieferungen an syrische Dschihadisten veröffentlicht hatte, erstattete Erdogan persönlich Anzeige gegen ihn. Er wurde zu fast sechs Jahren Gefängnis verurteilt, das Urteil im Berufungsverfahren aber zurückverwiesen an die erste Instanz. Ihn erwartet nunmehr eine lebenslange Freiheitsstrafe. Kurz vor dem gescheiterten Militärputsch im Juli 2016 hat sich Dündar nach Deutschland abgesetzt.“
  Das hilft ihm allerdings wenig. Die Meute hat Blut gerochen und fällt über ihn her. Nicht nur der Deutschlandfunk schenkt sich diese, Lüders, Korrektur. Auch der privat finanzierte Zensor „Correctiv“ lässt die Berichtigung einfach weg:
Unsere Bewertung: Die Behauptung ist Falsch“,
und gibt auf der Pinocchio-Nasenlängen-Skala eine drei von möglichen fünf Nasenlängen-Wertungen.

 Da wundert es wenig, dass „Correctiv“ auch seinen Bündnispartner in Sachen Zensur, die Faktenfinder der ARD-Tagesschau in den Zeugenstand ruft. Die These, dass wahrscheinlich nicht die Syrische Regierung für den Giftgaseinsatz von 2013 verantwortlich sei, sei nicht nur umstritten sondern sogar
„allerhöchst umstritten und wurde inzwischen mehrfach ausführlich untersucht, unter anderem von den 'Faktenfindern' der 'Tagesschau'.“
 Dabei nimmt es „Correctiv“ selbst nicht so genau mit der Wahrheit. Über dem Artikel in dem Lüders der angeblichen Lüge bezichtigt wird, prangt in der ganzen Breite der Seite ein Bild aus einem Krankenhauszimmer eines, offensichtlich unterirdischem, Krankenhauses mit der Bildunterschrift:
Bei dem Giftgasangriff in Khan Shaykhun wurde ein Krankenhaus zerstört.“
 Das ist offensichtlich falsch.

 Der Spiegel hat sich sehr viel Zeit genommen um die Vermutung, das Giftgas in Khan Shaykhun sei durch einen Bombentreffer auf ein Giftgaslager der Kopfabschneider freigesetzt worden, zu belegen:
Um 6.30 Uhr Ortszeit meldeten Augenzeugen aus der Stadt Luftangriffe. Um 7.59 Uhr veröffentlichte der lokale Reporter Mohammed Sallum al-Abd auf YouTube ein Video, das die Attacke zeigt. Zu sehen sind mehrere große Rauchsäulen und eine kleinere, etwas abseits. Im Titel des Videos schreibt Abt, dass bei dem Angriff "Giftbomben" eingesetzt worden seien.
...Trotz dieser Faktenlage präsentiert Russland eine ganz andere Version: Demnach habe die syrische Luftwaffe "zwischen 11.30 und 12.30 Uhr einen Angriff im Raum des östlichen Randes der Ortschaft Khan Shaykhun auf ein großes Depot mit Munition und Militärgerät der Terroristen ausgeführt. Ort und Zeit, die das russische Verteidigungsministerium nannte, passen eher zu einer zweiten Angriffswelle am vergangenen Dienstag.“
Der Spiegel legt sich fest:
Zur Mittagszeit bombardierten Kampfjets das Krankenhaus und das Zentrum des Zivilschutzes.“
Nicht nur die Zeit passt nicht, auch der Ort ist falsch. Der Spiegel:
Russland spricht davon, der Angriff auf die angebliche Chemiewaffenwerkstatt sei am östlichen Stadtrand von Khan Shaykhun erfolgt. Die Menschen, die durch den Giftgaseinsatz ums Leben kamen, lebten jedoch am nördlichen Stadtrand.“
 Was also stimmt? Präsentiert „Der Spiegel“ echte Fakten oder sind seine Angaben gelogen und somit „Fake-News“, oder lügt die von dem US-Milliardär Georges Soros bezahlte deutsche Wahrheitspolizei „Correctiv“?
Unsere Bewertung: Einer lügt.
Auf alle Fälle aber eine fünf auf der Pinocchio-Nasenlängen-Skala.

 Am 09. April arbeitete sich dann Anne Will in der gleichnamigen Talkshow an dem armen Lüders ab. Das ARD-Urgestein Will, die nach langen Jahren im Dienst des öffentlich-rechtlichen Fernsehens genau weiß wie der Hase zu laufen hat, wie man auch mit miserabler Quote gut überleben kann. Will weiß was die Damen und Herren der Gremien der ARD, bestehend aus Parteipolitikern, Verbandsoberen und Vertretern der Kirchen und der Wirtschaft, gern in "ihren" Sendern hören und sehen wollen - und das liefert sie.

  Und die wollen nicht diskutieren. Sie sagen wo es lang geht, was richtig und was falsch ist, was die Wahrheit und was Fake-News sind. Seit Jahren bestimmen sie in welche Richtung die Welt sich dreht. Wer da nicht mitspielt, der wird niedergemacht, der wird persönlich vernichtet. Die heilige Inquisition lässt grüssen.

  Und so hält sich Anne Will bei der Vorstellung Lüders auch erst gar nicht bei seinen Thesen und seinen Meinungen auf. Sie geht ihn persönlich an, bezweifelt seine lautere Absicht, unterstellt ihm Eigennutz, wirtschaftliche Gründe für seine Sicht auf Syrien und nimmt ihm, noch bevor er auch nur ein Wort gesagt hat, damit jede Glaubwürdigkeit:
Herr Lüders, bevor wir das diskutieren, ob sie mitgehen, oder sie alle mitgehen bei der Analyse von Herrn Wolfssohn und bei der von Herrn Kornblum, dass ein solcher Plan auch was frei brechen kann, möchte ich sie erst nochmal vorstellen: Wir haben sie heute bewusst nicht als einen neutralen Nahostexperten vorgestellt, sondern als Autor und als Politik- und Wirtschaftsberater. Sie sind, muss man sagen und erklären ein Geschäftsmann, der sein Wissen an Firmen verkauft, die im Nahen- und Mittleren Osten ihre Geschäfte machen wollen. Spielt für ihre wirtschaftlichen Interessen - oder spielen ihre wirtschaftlichen Interessen da 'ne Rolle wenn sie sagen oder behaupten, dass es der Westen sei, der Syrien ins Chaos gestürzt hat?“
Lüders versucht sich zu wehren:
Also ich würde gern auf der sachlichen Ebene analysieren wollen und…“
  Anne Will lässt ihn erst gar nicht zu Wort kommen, unterbricht ihn rüde, weist ihn zurecht wie eine Oberlehrerin:
Das war ja ganz sachlich.“
Lüders versucht krampfhaft seinen Gedanken zu Ende bringen:
„…und darauf abzielen wollen, dass ich vor allen Dingen als Autor und Nahostexperte bestimmte Analysen geleistet habe über die Region, die in sofern sicherlich nicht mainstream-konform sind, als sie eben doch, gerade was Syrien anbelangt, ein bisschen in eine andere Richtung gehen. Ich glaube, dass...“
  Wieder unterbricht Will ihn, beharrt darauf den Mann zu Kreuze kriechen zu sehen. Er soll widerrufen, öffentlich vor Millionen Zuschauern bekennen, dass sein Handeln unredlich ist:
Kurz noch einmal nachgefragt: Es war nicht falsch, was ich gesagt hatte, ne? Weil sie sagen, wir wollen sachlich bleiben.“
  Ab jetzt ist der Mann gebrandmarkt als Geschaftlhuber, als Verschwörungstheoretiker, als einer, der die Wahrheit für schnöden Mammon verkauft. Will hat ihr Ziel erreicht: Lüders kann ab jetzt sagen was er will, man wird ihm nicht glauben. Eine wichtige, eine kritische Stimme ist aus der Diskussion genommen.

  An der Diskussion nahmen neben Michael Lüders auch der Historiker Prof. Dr. Michael Wolfssohn und der ehemalige Botschafter der USA in Deutschland, John Kornblum teil. Auf der Internetseite der Sendung werden die Gäste vorgestellt. Bei Wolfssohn steht dort unter anderem, dieser sei:
vorwiegend als Publizist tätig und schreibt eine Kolumne für die 'Bild'-Zeitung und das 'Handelsblatt' “
und Kornblum sei:
Deutschland-Chef der internationalen Investment Bank Lazard. Derzeit ist Kornblum als Berater für eine Wirtschaftskanzlei tätig.“
  Vergessen dabei wurde Wolfsohns Kolumne bei „Focus“ und neben seinen zahllosen Buchveröffentlichungen auch seine rege Tätigkeiten bei  öffentlich-rechtlichen und privaten Fernseh- und Rundfunksendern. Ein kleiner, keinewegs vollständiger Auszug:

  Bei Anne Will war er vor der Sendung am 09. April, bereits am 22. Januar 2017 zu Gast, bei Maischberger am 15. Februar 1017, beim ZDF in der Sendung „Peter Hahne“ am 27. Februar 2017, im Deutschlandfunk am 12. Januar im Gespräch mit Andreas Main, auf dem Radiosender MDR bei „MDR aktuell“, auf „SWR 2“ am 16. Januar 2017, bei „3sat Kulturzeit“ bei „ NDR Kultur“ am 20. Dezember 2016, auf dem Radiosender „hr2 Kultur“ am 08. Dezember 2016 oder den privaten Radiosendern wie beispielsweise in der Sendung „Koschwitz am Wochenende“ am 17. Februar auf „Antenne 1“ (Baden-Württemberg), „105,5 Spreeradio“ (Berlin, Brandenburg), „Radio Brocken“ (Sachsen-Anhalt), „Radio Nordseewelle“ (Ostfriesland), „Antenne Landau“ und „Antenne Pfalz“ (Rheinland-Pfalz) sowie „RTL Deutschlands Hitradio“ (Saarland).
Unterschlagen wurde auch Wolfsohns Tätigkeit im Beirat Ost der „Deutschen Bank“.

  Wolfsohn sieht seine Tätigkeiten durchaus in einem professionellen Licht. So lässt er sich durch die Agentur „Perfect Game Communications“ aus München beraten. Als Referenzen führt die Agentur neben Wolfssohn den ehemaligen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg, Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber, Unternehmen aus dem Finanz- und Anlagemarkt wie Astorius Capital, BC Partners, General Atlantic, Solution AG, aus dem Bereich Sport und Sportvermarktung wie DFL Deutsche Fußball Liga, DFL Sports Enterprises, den Boxveranstalter Sauerland Events, den Sportwettenanbieter ODDSET, die Topps Deutschland GmbH, den offiziellen Lizenznehmer der Deutschen Fußball Liga  und aus dem Pharma und Healthcare Bereich Firmen wie Aenova, Deutsches Beratungszentrum für Hygiene
oder Synlab, den führenden Anbieter von medizinischen Labordienstleistungen in Europa. Eine durchaus professionelle Selbstvermarktung wie man sieht.

  John Kornblum lässt sich als Redner von den Agenturen Guillot und Celebrity Speakers, die sich ganz unbescheiden Europas führende Redneragentur nennt, vermarkten. Seine Auftritte im Fernsehen sind Legion. So trat er in letzter Zeit, allein bei Anne Will, ausser am 09. April am 19. Februar und am 09. Oktober letzten Jahres auf. Kornblum saß in den Aufsichts- bzw. Beiräten von ThyssenKrupp Technologies , der Bayer AG Russell Laynolds und der Motorola AG, war Chairman der Investmentbank Lazar Frèrres, Berater der internationalen Anwaltskanzlei Noerr LLP ist Vorsitzender des Beirats von Management Circle und gehört zum Team des Immobilienunternehmens Trockland. Kornblum ist bestens vernetzt in der Deutsch-Atlantischen Community wie der Atlantikbrücke, dem American Council on Germany, dem Aspen Institut und der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik e.V.

  Anne Will hätte also durchaus mit der gleichen Berechtigung mit der sie Michael Lüders so rigide anging auch Wolfssohn und Kornblum der Verfolgung eigener, geschäftlicher Interessen angehen können. Dass sie das nicht tat lässt einzig und allein den Schluss zu: Lüders und somit alle seine Argumente sollten ganz bewusst gleich zu Anfang der Sendung in den Augen der Zuschauer als unseriös diskreditiert und damit eine nicht ganz unwichtige Sicht auf die Ereignisse in Syrien ausgeblendet werden.

  Anne Wills Intension war von Anfang an, Lüders persönlich fertig zu machen. Sie wollte ihn zerstören. Ihr ging es zu keiner Zeit darum, eine sachliche Diskussion zu führen. Ihr ging es darum, den völkerrechtswidrigen Raketenangriff der USA auf syrisches Territorium zu rechtfertigen – und das unter allen - und zwar wirklich allen Umständen.

Freitag, 7. April 2017

Raketen auf Syrien: Es riecht penetrant nach einer Schlapphut-Aktion


Eine starke und Klare Botschaft“
sei der Raketenangriff der USA auf den Luftwaffenstützpunkt der syrischen Armee gewesen, schreibt „Die Zeit“.

  Es scheint die Zeit des Umdenkens angebrochen. War Donald Trump den Kriegstreibern bei der „Zeit“ noch bis gestern der Inbegriff des Bösen, der Undemokrat, der Frauengrabbscher, der Höfling Putins, der Landesverräter, so hat dieser nun mit den 59 Raketen, die er von zwei Kriegsschiffen im Mittelmeer abschiessen ließ, die Hochachtung der Redaktion für sich gewonnen.

  Ein feiner Kerl dieser Mr. President, zieht endlich den bei Obama so schmerzlich vermissten rauchenden Colt aus dem Gürtel und knallt damit wild in der Gegend herum. Jahrelang hatte man sich bemüht, die kriegsmüden Amis endlich dazu zu bewegen in Syrien eine Flugverbotszone herbeizubomben um dem IS und Al-Quaida endlich den Weg in die syrische Hauptstadt zu ebnen, hatte den ehemaligen Präsidenten vorgeworfen nur zu reden und nicht zu handeln – nichts war geschehen. Nun da Trump Bomben wirft, er im Begriff ist einen Weltkrieg vom Zaun zu brechen, da stellt sich bei der „Zeit“ ein Gefühl des, mit Trump kuscheln wollens, ein.

  Noch allerdings bemüht man sich darum den nächtlichen Überfall klein zu reden, ihn als einmaligen „Warnschuss vor den Bug“ zu deklarieren. Die Reaktionen aus den USA aber sprechen eine andere Sprache. So begrüsste der republikanische Senator John McCain den Angriff als einen, so wörtlich
glaubwürdigen ersten Schritt“
und der Sprecher des Repräsentantenhauses, der Republikaner Paul Ryan sagte
dass das Assad-Regime nicht mehr auf die Untätigkeit der USA zählen kann“.
Der demokratische Senator Ben Cardin forderte schon einmal für die Zukunft, eine
größere Militäroperation in Syrien durch die Trump-Regierung muss in Absprache mit dem Kongress erfolgen“,
wahrscheinlich damit das Morden und Bomben auch seine schöne amerikanische Ordnung hat.

  CNN jedenfalls, war förmlich aus dem Häuschen: Es sei eine der besten Reden gewesen, die Präsident Trump je gehalten habe, als er den Raketenangriff auf Syrien verkündet habe. Trump, bisher von CNN bis aufs Messer bekämpft, hält, kaum das er Raketen auf ein Land abfeuert, dass weder die USA angegriffen, noch diesen den Krieg erklärt hat, seine beste Rede und ist ab sofort Everybodys Darling.

 Da wollte unsere Kanzlerin nicht abseits stehen. Schliesslich war sie 2003, damals zum Glück noch nicht in Regierungsverantwortung, schon ganz auf Seiten des kriegslüsternen Präsidenten der USA, George W. Bush, als es darum ging den Irak zu überfallen, ein Land in Schutt und Asche zu legen und zehntausende unschuldige Leben auszulöschen. So liess sie heute, laut Bildzeitung, verlautbaren:
Präsident Assad trägt die alleinige Verantwortung für diese Entwicklung.“
 Und wie 2003 übernahm sie auch dieses Mal wieder kritiklos die Lügen der US-Regierung, die damals Bio-Waffen in Saddams Areal verorteten und die mit Hilfe des BND sogar die unwahre Behauptung aufstellten, der Irak habe spaltbares Uran angekauft und beabsichtige eine Atombombe zu bauen:
Sein (Assads) wiederholter Einsatz von chemischen Waffen und seine Verbrechen gegen die eigene Bevölkerung verlangten eine Sanktionierung, wie Frankreich und Deutschland sie bereits im Sommer 2013 nach dem Massaker von Ghouta gefordert hätten.“
Mittlerweile steht einigermassen sicher fest, dass der Giftgasangriff auf Ghouta nicht von der syrischen Armee zu verantworten war, sondern wohl eher der Nusra-Front und der Türkei zuzurechnen ist. Diese hatten, nach heutigen Erkenntnissen die günstige Gelegenheit, dass Obama von einer roten Linie fantasiert hatte, die mit einem Giftgas-Angriff Assads auf die Zivilbevölkerung seines Landes überschritten sei, und er, Obama, sich in diesem Fall zu einem militärischen Eingreifen der USA in den Syrienkrieg gezwungen sehe, genutzt, und schnell einmal 1.000 Menschen mit Sarin getötet.

So schreibt Michael Lüders in seinem Buch „Die den Sturm ernten“:
Die inhaltsreichste und umfassendste Recherche in diesem Zusammenhang stammt von dem US-Enthüllungsjournalisten Seymour Hersh.“
Er zitiert aus Hershs Artikel „The Red Line and the Rat Line“:
Hersh zufolge wussten die britischen und US-Geheimdienste bereits seit Frühjahr 2013, dass verschiedene syrische Rebellengruppen Chemiewaffen herstellten. Aus einem Briefing der DIA, des militärischen Pendants zur CIA, vom 20. Juni 2013 gehe hervor, dass die Nusra-Front eine eigene Abteilung zur Herstellung von Sarin unterhalte.“
 Der britische Geheimdienst hatte in seinen Laboratorien in Porton Down nämlich herausgefunden, dass das in Ghouta verwendete Sarin eine andere Zusammensetzung hatte, als das, dass die Syrische Armee in ihren Beständen hatte. Lüders schreibt weiter in einer Studie von CIA und DIA, dem Geheimdienst der Streitkräfte heisse es:
In der Vergangenheit hat sich die Arbeit der Geheimdienste fast ausschließlich auf die syrischen Chemiewaffen bezogen. Jetzt erkennen wir, dass die Nusra-Front ihre eigenen Chemiewaffen produziert.“
Und die Nusra-Front verfüge über Helfer in der Türkei und Saudi-Arabien, die diese mit chemischen Substanzen zur Herstellung von Sarin
In Mengen von jeweils einigen Dutzend Kilo“
versorge.

  Im Mai 2013 wurden dann in der Türkei 13 Mitglieder der Nusra-Front, die im Besitz von 2 Kilo Sarin waren, festgenommen und unter fadenscheinigen Begründungen in aller Stille heimlich wieder freigelassen. Unterdessen hatten Waffenexperten errechnet, dass Raketen, des Typs, die in Ghouta verwand wurden, nicht in der Lage waren aus dem zuvor reklamierten Abschussgebiet, das unter der Herrschaft der syrischen Armee stand, bis ins Zielgebiet zu fliegen. Die Raketen mit dem Giftgas, so musste die New York Times im Dezember 2013 kleinlaut und auf einer der hinteren Seiten der Zeitung versteckt einräumen, könnten nur aus Rebellengebiet abgefeuert worden sein.

  Das Alles weiss Merkel natürlich und auch der Versagerpräsident aus Frankreich. Aber sie lügen frech ihre Völker an und versteigen sich auch noch dreist in Drohungen:
Frankreich und Deutschland werden mit ihren Partnern und im Rahmen der Vereinten Nationen ihre Bemühungen fortsetzen, um Präsident Assad für seine verbrecherischen Taten zur Verantwortung zu ziehen.“
Wenn zwei Dummschwätzer irgendwo zusammenstehen und dummes Zeug reden, dann ist unser derzeitiger Aussenminister, Sigmar Gabriel mit Sicherheit nicht fern.
Dass die Vereinigten Staaten jetzt mit einem Angriff gegen die militärischen Strukturen des Assad-Regimes reagiert haben, von denen dieses grausame Kriegsverbrechen ausging, ist nachvollziehbar“.
 So als gebe es keine Vereinten Nationen, so als gebe es kein Völkerrecht, schwafelt ein Mann, der sich als Aussenminister der Deutschen Bundesregierung bezeichnet von einem nachvollziehbarem Angriff daher. Was geht in diesem Kopf vor, zumal er noch vor einem Tag behauptete:
Noch wissen wir nicht, wer letztlich für den Giftgasangriff verantwortlich ist. Wir müssen jetzt in die Aufklärungsarbeit gehen.“

Wahrscheinlich das gleiche hin- und her wabern unstrukturierter Grütze, das Donald Trump zu dem Satz veranlasst hat:
Ich rufe heute alle zivilisierten Nationen auf, sich uns anzuschließen“.
 Da spricht jemand von zivilisierten Nationen, der gerade einen völkerrechtswidrigen Raketenangriff auf Syrien befohlen hat. Wenn das ein Ausdruck von Zivilisation ist, dann möchte ich ab sofort nicht mehr zum zivilisierten Teil der Menschheit gehören.

  Allerdings stellt sich mittlerweile die berechtigte Frage, wer eigentlich in Washington wirklich regiert? Ist es noch der gewählte Präsident, Donald Trump, oder ist der nur noch eine Puppe, die der Welt vorgeführt wird, die an den Fäden eines im dunklen agierenden, schizophrenen Puppenspielers hängt.

  Noch vor wenigen Tagen gab Trump zu Protokoll, Syrien und die Regierung Assad sei nur ein untergeordnetes Problem und die Syrer selbst müssten entscheiden, ob sie Assad weiter als ihren Präsidenten haben wollten. Dann plötzlich dieser Angriff auf die Stadt Chan Scheichun. Wie Kai aus der Kiste wurde Assad dem staunenden Publikum, kaum dass das Gas sich verflüchtigt hatte, als der Übeltäter vorgeführt.

  Eine These, die zumindest bei einer überlegten Betrachtung als sehr gewagt bezeichnet werden kann. Assads Truppen befinden sich auf einem unaufhaltbarem Vormarsch. Das Gebiet über das die Terroristen verfügen schmilzt von Tag zu Tag immer mehr zusammen. Die Tage der Kopfabschneider, die schon fast ganz Syrien besetzt und die Menschen in Angst und Schrecken hatten, scheinen gezählt. Da, in diesem für ihn so günstigen Augenblick schmeisst er bewusst alle seine Erfolge über Bord und lässt angeblich Nervengas regnen, wohl wissend, dass ihn das erstens keinen Schritt weiter zum Sieg führt und zweitens die große Gefahr birgt, dass der Westen nun noch intensiver die islamistischen Gotteskrieger unterstützt.

  Nicht alle Politiker dieser Welt sind mit einer Intelligenz ausgestattet, die der unseres Aussenministers entspricht.

  Es riecht penetrant nach einer Schlapphut-Aktion. Der militärisch-industrielle Komplex, vor dem schon der US-amerikanische Präsident Eisenhower warnte, scheint einmal mehr die Weltpolitik in die von ihm gewünschte Richtung gelenkt zu haben.