Mittwoch, 24. August 2016

Reitschusters geistige Anleihe beim ehemaligen CIA-Chef Morell: Aussenminister Steinmeier nützlicher Idiot Putins

 Man ist immer wieder überrascht, obwohl man es mittlerweile besser wissen sollte: kein geistiger Erguss in unserer Mainstreampresse kann so blöde und hirnrissig sein, als dass er nicht von irgendeinem geistig Zurückgebliebenen aufgegriffen und weiter erzählt und noch ein bisschen absurder gemacht wird.
 Hatte dieser Tage Jochen Bittner in der Zeit, den Sinn und Auftrag seines, von ihm zumindest  als solchen angegebenen Berufs Journalist total verkennend, in die Glaskugel - die sich hochstapelnd als Thinktank bezeichnende "Stiftung Wissenschaft und Politik" - geschaut und die Republik mit einem
"Szenario für 2017"

unter der Überschrift
"Für Trump und gegen Merkel"
in wahre Heiterkeitsstürme versetzt, so hat er nun in dem ebenfalls, intellektuell tief unter der Grasnabe journalistisch sich unterwegs befindenden Boris Reitschuster, jemanden gefunden, der sich selbst nicht zu blöd ist, diesen geistigen Durchfall aufzunehmen und weiter zu verbreiten.
 Reitschuster, der immer noch von sich behauptet, er sei von 1999 bis 2015 Moskaukorrespondent des Focus gewesen, obwohl er sich schon ab 2011 in der ansonsten vollkommen unschuldigen Deutschen Hauptstadt Berlin herumtrieb. Er habe, so begründete Reitschuster seine Wohnsitznahme in dem gegenüber Moskau unvergleichlich komfortableren Berlin, dort Morddrohungen erhalten und sei deshalb, um sein Leben fürchtend, regelrecht nach Berlin geflohen. Nicht extra erwähnt werden muss wohl, dass der Mann bisher für seine Behauptungen keinerlei Beweise vorgelegt hat.
 Irgendwann muss dann wohl selbst dem Focus sein Geld zu schade gewesen sein, es dem "politisch Verfolgten" für nichts und wieder nichts in den Rachen zu werfen. Reitschuster war nicht mehr Moskau-Korrespondent des Focus mit Sitz in Berlin, sondern nannte sich nun freier Journalist und Autor. Ab jetzt gab es nicht mehr "Money for Nothing", wie die Gruppe Dire Straits dereinst titelte, erstaunlicherweise ohne Breitschuster zu kennen. Ab jetzt musste der Mann seinen Unterhalt selbst verdienen, was die Toleranzschwelle der Leser reitschusterscher Elaborate um einiges nach oben verschob.
 Der weiter dreist seine wahre Tätigkeit mit der Berufsbezeichnung Journalist verschleiernde Mann, fühlte sich nun völlig losgelöst, nicht nur von der jahrelang ihn so üppig fütternden Hand des Focus, sondern auch von jeglichem Bezug zur Realität und dem Wahrheitsgehalt seiner Ergüsse. Der nur, trotz der eifrig von seinen Gesinnungsgenossen gerührten Werbetrommel sehr mässig erfolgreiche Buchautor benötigte dringend Einnahmequellen. Kurzerhand nannte er sich Experte, Experte für alles was auch nur im entferntesten mit Russland oder Putin zu tun hatte.
 Aber die Trauben hängen auch für einen "Experten" in den eigentlich nach Experten lechzenden deutschen Medien hoch. Er wurde zwar hier und da gelegentlich zitiert, aber damit war kein Geld zu verdienen. Ausser beim ZDF, bekannt für seine hochwertigen Experten, erinnert sei hier beispielhaft an Elmar Theveßen, der als Terrorismusexperte schon wenige Stunden nach den Anschlägen des Rechtsradikalen Anders Behring Breivik in Norwegen 2011 herausposaunte, es handele sich bei den Tätern unzweifelhaft um islamistische Terroristen, dem er später in weiten Teilen als frei erfunden identifiziertem Machwerk der Mainzelmännchen "Machtmensch Putin" als ein solcher diente, war sein Expertentum nicht sonderlich gefragt.

Irgendwie muss Boris Reitschuster dann doch seinen ehemaligen Arbeitgeber so sehr gedauert haben, dass sein neuestes Machwerk bei der deutschen "Huffington Post erschienen ist, die eng mit dem Focus verbandelt und deren Herausgeber die sein journalistisches Gewissen bei der Atlantikbrücke parkende ehemalige ZDF-Quasselstrippe Cherno Jobatey ist.

 Wenn es um Alarmismus geht, dann lässt sich Reitschuster nur ungern übertreffen.
"Putin unterwandert den Westen: Deutschland ist in akuter Gefahr",

nennt er sein Werk, in dem er den Deutschen einzureden versucht, dass das Ende des Abendlandes nun endgültig gekommen sei. Und als Beweis für seine etwas gewagte These zitiert er ausgerechnet den Geschichten erzählenden Scienc Fiktion-Autor Jochen Bittner:
"Die Gefahr ist akut – wie jüngst auch Jochen Bittner in einem Artikel über eine mögliche Einflussnahme Moskaus auf den deutschen Wahlkampf 2017 in der "Zeit" anschaulich darlegte."
 Dass Reitschusters Ding es nicht ist, seriös Fakten zu sammeln, diese auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen, um sie dann seinen Lesern in einer unaufgeregten Sprache sachlich zu vermitteln, dürfte mittlerweile in der deutschen Medienwelt zum gesicherten Allgemeinwissen zählen. Wer Reitschuster bucht, der will nicht aufklären, der will verklären.
 So ist dann auch gleich der erste Satz, den Reitschuster schreibt, in hohem Masse alarmistisch:
"Wer vor ein paar Tagen das vorausgesagt hätte, was nun in den Nachrichten stand, wäre in Deutschland als Verschwörungstheoretiker verlacht worden".

 Eine dramatische Entwicklung zum Negativen will uns Reitschuster weismachen. Wenn er dann allerdings die Nachricht, die so alamierend sein soll zitiert, sinkt der aufgeschreckte Leser erleichtert und auch ein wenig enttäuscht, zurück in die Polster der Rückenlehne seines Sessels.  Nichts ist es mit der Sensation. Reitschuster berichtet, wohlwollend ausgedrückt, bestenfalls von einem Gerücht, in die Welt gesetzt von einer äusserst fragwürdigen Quelle:
"Paul Manafort, dem Wahlkampfschef von US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump, sollen 13 Millionen Dollar Schwarzgeld zugesprochen worden sein – 'von kremlfreundlichen Kräften', wie die "New York Times" enthüllte."
Paul Manafort war der Wahlkampfmanager von Donald Trump. In den USA herrscht Präsidentschaftswahlkampf, und da wird gern schon mal mit Schmutz geworfen, nach dem Motto: ob wahr oder Lüge, irgend etwas wird schon hängen bleiben. Zur Zeit versucht das Clinton-Lager mit aller Gewalt, Trump in die Nähe von Russlands Präsident Wladimir Putin zu rücken. Schon aus dem Grund sind Verlautbarungen dieser Art mit Vorsicht zu geniessen. Sogar Reitschuster benutzt die Tatsachen im ungefähren belassenden Worte "sollen ... zugesprochen worden sein", anstatt die klar Fakten benennende Formulierung "wurden ... zugesprochen".
Das zweite was sofort auffällt ist, dass Reitschuster schreibt, Manafort seien "13 Millionen Dollar Schwarzgeld zugesprochen" worden anstatt Manafort habe "13 Millionen Dollar Schwarzgeld" erhalten. Scheinbar scheint überhaupt kein Geld geflossen zu sein. Ziehen wir die Quelle der Reitschusterschen Behauptungen zu Rate, auf die er verlinkt. O Wunder - es tut sich eine weitere Seite der Huffington Post auf:
"Donald Trumps Wahlkampfmanager Paul Manafort gerät wegen seinen Tätigkeiten in der Ukraine unter Druck …Ihm sollten laut geheimer Dokumente insgesamt 12,7 Millionen US-Dollar (rund 11,4 Millionen Euro) gezahlt werden. Das berichtet die "New York Times" unter Berufung auf die ukrainische Antikorruptionsbehörde",
und die Huffington Post fügt hinzu:
"Wofür die Zahlungen waren und ob sie überhaupt geleistet wurden, war zunächst unklar."
Also auf gut deutsch: Nichts Genaues weiss man nicht! - Ein typischer Reitschuster. Der irrlichternde Alarmist Reitschuster liebt Ungenauigkeiten. So kann er Dinge in seine Sätze einarbeiten, die so nicht stattgefunden haben, aber auch nicht explizit gelogen sind. So fabuliert er "von kremlfreundlichen Kräften" setzt diese Worte in Anführungsstriche und schreibt sie so als wörtlich gefallen der New York Times zu (wie die "New York Times" enthüllte).

 Die NYT schreibt aber überhaupt nichts von von kremlfreundlichen Kräften. Die NYT schreibt:
"Mr. Yanukovych’s pro-Russian political party"
Zwar ist, die Tatsachen beachtend, das Eine so falsch wie das Andere, aber Reitschuster unterliegt einmal mehr der Versuchung, dadurch, dass er "pro-Russian" (pro-russisch) durch "kremlfreundlich" ersetzt, zu dramatisieren.

 Tatsache ist, dass Janukovitsch und seine Partei der Regionen weder "pro-Russian" noch"kremlfreundlich" war. Vielmehr war Janukovitsch ernsthaft bemüht die Ukraine dem Westen anzunähern. So führte er jahrelang die Assoziierungsgespräche mit der EU. Erst als die westliche Verhandlungsführung ihre Forderungen an die Ukraine überzog, merkte auch Janukovitsch, dass die ausgehandelten Verträge zu einer wirtschaftlichen Katastrophe in seinem Land geführt hätten. Die Gegenwart gibt ihm nachträglich recht. Der Präsident der Ukraine setzte die Unterschrift unter die Verträge aus, um neu zu verhandeln. Die EU liess allerdings nicht mehr mit sich reden. Janukovitsch aber brauchte dringend Kredite, um sein Land vor der Pleite zu bewahren. Weil die EU und der IWF ihm diese Kredite verweigerten, bat er Moskau um Hilfe. Die daraus folgende Katastrophe ist bekannt.
 Reitschuster hat es geschafft, in einem Satz gefühlt mehr Lügen und Verdrehungen unterzubringen als dieser Satz Worte hat. Wie jetzt aber der Autor diese Geschichte von dem angeblich geflossenen Schmiergeld, in der der Kreml nicht einmal ansatzweise vorkommt, Putin unterschiebt, das ist nicht nur abenteuerlich, sondern würde einem Eduard Schnitzler aus dem schwarzen Kanal der DDR oder einem Reichs-Propaganda-Minister im Dritten Reich alle Ehre machen:
"Da Wladimir Putin selbst die 'Vertikale der Macht' ausgerufen hat und für sich in Anspruch nimmt, auch kleinste Details 'in Handsteuerung' selbst zu entscheiden, ist es durchaus legitim, als Quelle des Schwarzgeldes den Kreml selbst anzusehen."

Aber es kommt noch besser, denn Reitschuster baut auf dieses durch nichts, aber auch rein gar nichts auch nur ansatzweise untermauertes Lügenkonstrukt seine ganze weitere Argumentation auf:
"Die Enthüllungen werfen ein neues Licht auf die dubiose Nähe von Trump zu Putin",
und weiter:
"...die Last der Indizien ist erdrückend, die für eine engere Verbindung zwischen den beiden Männern spricht, als es für amerikanisch Verhältnisse schicklich wäre."

 Wie falsch der Mann liegt, wie sehr es ihm auf Propaganda, denn auf objektive Berichterstattung ankommt wird den Betrachtern klar, wenn sie einen Bericht der Nachrichtenagentur Reuters vom 20. Dezember 2013  zu Rate ziehen. Hierin berichten die zwei Autoren  Mark Hosenball and Warren Strobel von Zahlungen an die US-amerikanischen Lobbyisten Anthony Podesta, den ehemaligen Führer der Republikaner Vin Weber und Bill Tauzin. Die Summen, so Reuters vor nunmehr fast drei Jahren, seien beträchtlich gewesen:
"In den letzten zwei Jahren hat das Europäische 'Zentrum für eine moderne Ukraine‘, einer mit Janukovitsch und seiner Partei der Regionen sympathisierende, in Brüssel ansässige Organisation, $ 560.000 an Webers Firma Merkur und $ 900.000 an die Podesta Group Inc., also eine Gesamtsumme von $ 1.46 Mio. gezahlt, so eine Datenbank des US-Senats."
Das Geld, so Reuters, sei für Lobbyarbeit zugunsten der Janukovitsch-Regierung und gegen eine Freilassung von Julia Timoschenko, die eine Verurteilung zu sieben Jahren Haft wegen Untreue in der Ukraine absass, eingesetzt worden. Reitschuster scheint aus den Augen geraten zu sein, dass der Löwenanteil der $1,46 Mio., $ 900.000 an die Podesta Group Inc. ging. Nun sind aber die Gründer und Inhaber der Firma, die Brüder John und Anthony Podesta seit vielen Jahren der Demokratischn Partei und vor allen Dingen den Clintons eng verbunden.

 John Podesta gehörte von Januar 1993 über die gesamte Amtszeit bis zu dessen Amtseid im Januar 2001 zum Team des Weissen Hauses unter Bill Clinton. Ab 1998 diente er sogar als dessen Stabschef. Nach der Wahl Barak Obamas zum Präsidenten der USA 2008 wurde Podesta Leiter dessen Transition Teams. Von Ende 2013 bis Frühjahr 2015 diente er Obama als Chefberater. Ab April 2015 ist Podesta Leiter des Präsidentschafts-Wahlkampfteams von Hillary Clinton.
Wollte man also ähnlich bösartig wie Reitschuster argumentieren, so könnte man auch Hillary Clinton eine grössere Nähe zu Russlands Präsident Wladimir Putin andichten, "als es für amerikanisch Verhältnisse schicklich wäre."
 Manafort gehört nicht mehr Trumps Wahlkampfteam an.  Beweise für die Zahlung von Geldern an ihn ist die Ukraine bisher schuldig geblieben.
 Der Grund, warum hier so eingehend auf Trump und dessen Wahlkampfmanager eingegangen wurde ist keinesfalls als Unterstützung Trumps und seiner teils kruden Thesen und Ansichten zu verstehen, sie soll ausschliesslich zeigen, wie absurd Reitschuster argumentiert und Tatsachen so verdreht und entstellt, damit sie seine absurden Thesen untermauern. Reitschusters Ziel ist die Diffamierung und Diskriminierung ihm unliebsamer deutscher Politiker. Es geht ihm nicht um politische Auseinandersetzung. Er will vernichten. Weil er aber nichts in der Hand hat, was er gegen
"Frank-Walter Steinmeier oder Sigmar Gabriel, Horst Seehofer oder Sahra Wagenknecht, Ex-Ministerpräsident Matthias Platzeck oder Ex-Staatssekretär Willy Wimmer"
ins Feld führen könnte, muss er diese in die Nähe von Donald Trump und dessen ehem. Wahlkampfmanager Manafort rücken, denen er wiederum eine
"dubiose Nähe...Nähe zu Putin"
unterstellt.

 Seine Schlussfolgerungen sind dabei ebenso so abenteuerlich, wie die
"Ähnlichkeiten mit der Bundesrepublik und Namen von deutschen Politikern"
  die ihm angeblich auffallen, konstruiert sind:
"Da ist Trumps offene Verehrung von Putin. Da ist der massive Hackerangriff auf die Demokratische Partei in den USA mit peinlichen Enthüllungen (peinlich vermeidet Reitschuster den Inhalt der Enthüllungen, nämlich eine massive Verfälschung der Ergebnisse der Vorwahlen der Demokraten zu erwähnen), hinter dem der US-Geheimdienst FBI Moskau sieht. …Da ist Trumps Sympathie für Russlands Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim."
 Selbst vor Latinengerüchten und scherzhaften Äusserungen Trumps:
"Da ist Trumps Aufforderung an die russischen Geheimdienste, auch die privaten Mails von Hillary Clinton zu hacken. … Da sind seine Signale, er hätte nichts gegen einen Einmarsch Moskaus im Baltikum. Da sind die internen Aussagen von hochrangigen Kreml-Apparatschiks, Moskau unterstütze Trump",
schreckt Reitschuster nicht zurück, um Pogromstimmung zu erzeugen. Nichts ist ihm zu primitiv, nichts zu weit hergeholt, nichts zu interessengesteuert, als dass er es nicht einsetzt zu seinem Feldzug, dessen einziger Zweck es ist, Menschen die nicht seiner Meinung sind, zu vernichten.
 Selbst die, offensichtlich nur dem Zweck Hillary Clinton in ihrer E-mail Affäre als Entlastung dienende Aussage des ehemaligen CIA-Chefs und jetzt zu Clintons Wahlkampfteam zählenden Aussage Michael Morells:
"Der Ex-KGB-Offizier habe die 'Schwächen des US-Milliardärs ausgenutzt und ihm geschmeichelt'. In der Welt der Geheimdienste, so Morell weiter, 'würden wir sagen, Trump ist unbeabsichtigt von Putin zu einem russischen Agenten gemacht worden'",
 benutzt Reitschuster, um seinen gequirlten Unsinn zu belegen.
"Spätestens bei dieser Aussage fallen einem Ähnlichkeiten mit der Bundesrepublik und Namen von deutschen Politikern ein. Ob Frank-Walter Steinmeier oder Sigmar Gabriel, Horst Seehofer oder Sahra Wagenknecht, Ex-Ministerpräsident Matthias Platzeck oder Ex-Staatssekretär Willy Wimmer: Quer durch die Parteien machen auch in Deutschland Politiker den „Trump“ gegenüber Moskau."
 Endlich ist Reitschuster angekommen. Er hat getrickst, gelogen, die Wahrheit verbogen und Beziehungen hergestellt wo es keine gibt. Jetzt kann er zuschlagen, endlich kann er vernichten:
"Fast hat man den Eindruck, es gebe eine Olympiade im Bauchpinseln, Propaganda-Verbreiten und Netzwerke-Knüpfen. ...Statt Medaillen winken im Zweifelsfall Pöstchen. Gerhard Schröder und Gasprom lassen grüßen."
Eine fünfte Kolonne also. Man stelle sich vor, wie Frank-Walter Steinmeier, Sigmar Gabriel, Ex-Ministerpräsident Matthias Platzeck von der SPD mit CSU-Chef Horst Seehofer, der Linken Sahra Wagenknecht, und Ex-Staatssekretär Willy Wimmer von der CDU zusammensitzen und an ihrem teuflischen Plan arbeiten, Deutschland, ja ganz Europa dem Kreml auszuliefern. Da mag die Frage auftauchen, ob es denn möglich ist, solch unterschiedlichen Charaktere an einen Tisch zu bekommen? Manch einer hat, zumindest bei Horst Seehofer und Sarah Wagenknecht eher ein Bild von Feuer und Wasser, die aufeinandertreffen, vor Augen.

 Was für den oberflächlichen Betrachter vielleicht ein Problem sein könnte, ist für Boris Reitschuster eher ein Beweis dafür, dass diese Herrschaften nicht nur Landesverräter, sondern auch bis auf die Knochen so korrupt sind, bereit, ihr Vaterland für schnöden Mammon, für ein lukratives Pöstchen zu verraten. Und wir erfahren, dass dieses miese Spiel schon seit Anfang der 2000er Jahre gespielt wird. Hat damals, will man jedenfalls Reitschuster Glauben schenken, der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder sein Vaterland als Morgengabe dem russischen Bären in den gierigen Rachen geworfen um eines Postens willen beim Energiemulti Gazprom?
Wie aber konnte es dazu kommen, dass deutsche Politiker, teils in Amt und Würden, teils ergraut, bereits im Ruhestand befindlich, sich in den Dienst des ewig Bösen stellen? Verständlich, ja gar zwangsläufig musste ein solch negative Entwicklung bei alten, in der Wolle gefärbten Sozen befürchtet werden, bei Wagenknecht war Landesverrat sowieso bereits in die Wiege gelegt, wurde sie doch in einer mondlosen Nacht von Luzifer gezeugt und in einer ebensolchen unter höllischen Schmerzen, mit einem Pferdefuss, heimlich im Hause Honnecker geboren. Aber das CDU-Mitglied Wimmer und der Chef der bayrischen CSU?
 
 Reitschuster kann einmal mehr nicht der Versuchung widerstehen mit Putins Vergangenheit als Angehörigem des sowjetischen Geheimdienstes KGB zu agitieren:
"Wladimir Putin hat sich selbst einmal als Spezialisten im Umgang mit Menschen bezeichnet; wesentlicher Teil seiner Ausbildung beim KGB war das Anwerben von Ausländern – ob mit Geld, Bauchpinselei oder Erpressung, ob als Einflussagenten oder als nützliche Idioten."

 So ist denn auch jede Verhandlung mit dem Herrn des Kremls keine wirkliche Option, sondern bestenfalls ein unterwürfiger Kniefall. Reitschuster hat so seine eigene Ansicht von Diplomatie. Für ihn ist, so scheint's, der Panzerkreuzer die freundlichste Art des Gedankenaustauschs zwischen zwei Staaten.
"Was Außenminister Steinmeier (SPD) als „Dialogsfaden“ verkauft, ist in Wirklichkeit längst eine peinliche Anbiederung gegenüber Moskau."

Dienstag, 16. August 2016

Wie es dazu kam, dass dem Zeit-Politikredakteur Jochen Bittner der Allmächtige erschien

 Der Politik-Redakteur der Zeit Jochen Bittner sitzt kerzengerade in seinem Bett. Er ist schweissnass und er sucht verzweifelt nach Orientierung.

 Soeben ist er aus einem fürchterlichen Albtraum aufgewacht:
"Es ist das Frühjahr 2017, in Deutschland läuft der Bundestagswahlkampf an, und Russlands Präsident Wladimir Putin kämpft mit."
Bittner kämpft um Fassung, aber die schrecklichen Bilder wollen sich nicht vertreiben lassen:
"Mitten hinein in den Streit zwischen CDU und SPD über die richtige Russlandpolitik initiiert der Kreml ein deutsch-russisches "Friedensforum", das behauptet, die neue US-Präsidentin Hillary Clinton und Bundeskanzlerin Angela Merkel wollten Europa in einen Krieg gegen Russland steuern."
 Er greift neben sich auf den Nachttisch. In der Dunkelheit sucht er nach der Flasche Wasser, die er immer neben seinem Bett stehen hat. Fast hätte er sie umgestossen vor lauter Aufregung. Seine Hände zittern. Er hat Mühe den Drehverschluss zu öffnen. Er setzt die Flasche an den Mund, verzichtet darauf, das Wasser vor dem Trinken in ein Glas umzuschütten. In dieser Situation ist Etikette fehl am Platz. Sein Körper verlangt nach Kühlung nach diesem Fiebertraum, nach wohltuender Entspannung. Bittner nimmt einen tiefen Schluck, ringt nach Luft. aber die Bilder wollen nicht aus seinem Kopf weichen. Im Gegenteil, sie nehmen ständig an Intensität und Bedrohung zu. Es kommt zum worst case:
"Der Forderung des Forums, die Weltdominanz der USA zu brechen, schließt sich die AfD ebenso an wie die Linkspartei, ja sogar ein Teil der SPD."
 Wie kann das sein? Wie soll sie aussehen, eine Welt ohne Dominanz der USA? Bittner schwindelt es. Keine Kriege mehr, keine Erpressung kleiner wehrloser Länder. Keine Befreiung unterdrückter Völker gegen ihren Willen, keine geheimen Abhöraktionen gegen jedermann auf dieser Welt, der im Besitz eines Telefonanschlusses ist. Keine Drohnen mehr, die alle und jedermann in seine Moleküle zerlegen, der im Verdacht steht, er sei ein Terrorrist, oder der gerade zufällig neben jemanden steht, den die USA für einen Terrorristen halten.

 Bittner wird übel. Ihn überkommt ein kaum zu widerstehender Brechreiz. Sein besorgter Blick geht nach Osten, da, wo die unsicheren Kantonisten leben, die immer noch nicht verstehen wollen, wieviel schöner doch das Leben in Freiheit und Wohlstand ist, in der Freiheit zu einem Hungerlohn zu arbeiten und in einem Wohlstand von Gnaden der Suppenküchen:
"In Sachsen und Thüringen sind T-Shirts mit "Putin, hilf uns!"-Aufdruck ein Verkaufsschlager, und die russlanddeutsche Partei Die Einheit erscheint jede Woche zu Demos vorm Kanzleramt."
 Diese Massen schlecht gekleideter Antidemokraten in ihren schwarzen Kunstlederjacken und den Schlägerkappen auf den Kopf, kaum der deutschen Sprache mächtig, von Putin nach Deutschland geschickt, um unser schönes Land zu destabilisieren:
"Einen Vorgeschmack gab der "Fall Lisa" im Januar dieses Jahres, als die russische Regierung die vermeintliche Vergewaltigung einer Russlanddeutschen durch Flüchtlinge für die Propagandathese ins Feld führte, in Deutschland sei niemand mehr sicher."
 Wir alle wissen doch, wie kurz wir vor der Machtübernahme durch die slawischen Horden damals waren:
"Prompt marschierten einige Hundert Russlanddeutsche vor dem Kanzleramt auf, und der russische Regierungskanal RT deutsch schnitt dramatische Bilder."
 Nur der Geistesgegenwart und der umgehenden Gegenwehr durch sein Blatt "Die Zeit" und seiner Kollegen von der Welt, dem Spiegel und der gesamten Qualitätspresse war es damals zu danken, dass das Kanzleramt heute nicht eine Zweigstelle des Kremls ist.

 Jochen Bittner lässt sich erschöpft zurückfallen in seine Kissen. Er sucht verzweifelt Ruhe zu finden. Aber der Schlaf will nicht kommen. Er wälzt sich unruhig in den Kissen hin und her. Wieder tauchen sie auf, diese Bilder:
"Nach dem Terroranschlag eines syrischen IS-Trupps auf einen Berliner Weihnachtsmarkt Ende 2016 setzt eine Welle von Austritten aus der CDU ein."
 Man stelle sich vor: Erst die vielen Toten und Verwundeten und dann auch das noch - eine Welle von Austritten aus der CDU. Kann es schlimmer noch kommen?Man stelle sich vor: Erst die vielen Toten und Verwundeten und dann auch das noch - eine Wwelle von Austritten aus der CDU. Kann es schlimmer noch kommen?

 Leider ja:
"Im Mai erklärt CSU-Chef Horst Seehofer seine Kanzlerkandidatur."
 Bittner erschaudert. Es ist ihm unmöglich liegen zu bleiben. Wieder richtet er sich auf. Schiere Verzweiflung nimmt Besitz von ihm:
"Im Mai erklärt CSU-Chef Horst Seehofer seine Kanzlerkandidatur.Während in der Union daraufhin ein Flügelkampf entbrennt, veröffentlicht die Enthüllungsplattform WikiLeaks Mails von Merkel an Clinton, in denen sie ihr versichert, dass sie das TTIP-Abkommen schon "irgendwie" durch den Bundestag bekommen werde."
 Um Gottes Willen nicht auch noch TTP! Bittner kann nicht mehr. Er muss aufstehen. Licht anmachen, um die bösen Geister zu vertreiben. Er schleppt sich ins Wohnzimmer, setzt sich auf die grosse Couch, lehnt sich zurück, sucht Halt an der kühlen Rückenlehne aus feinstem schwarzen Kalbsleder. Fieberhaft arbeiten seine Gehirnzellen:
"Alles abwegig? Übertrieben vielleicht. Aber in diese Richtung könnte es gehen."
 Bittner stemmt sich mit letzter Kraft hoch, geht hinüber ins Arbeitszimmer. Er schaltet die Arbeitslampe auf seinem Schreibtisch ein. Er kramt in dem Stapel Papiere vor ihm. Irgendwo muss es doch sein:
"Der regierungsnahe Berliner Thinktank Stiftung Wissenschaft und Politik hat Mitte Juli eine Prognose veröffentlicht, der zufolge Russland im kommenden Jahr eine "facettenreiche Kampagne zur Diskreditierung Deutschlands" starten könnte."
 Da sind sie, die gestern noch in einem trügerischen Gefühl der Sicherheit so achtlos auf den Stapel gelegten Papiere. Gedankenverloren setzt Bittner sich auf den Arbeitssessel vor dem Schreibtisch. Er nimmt die Papiere in die Hand, beginnt zu lesen:
"Die Merkel-Regierung ...könne innerhalb der EU "mehr und mehr in die Rolle eines Feindes gerückt werden".
 Die Merkel-Regierung als Feindbild innerhalb der EU? Bittner erfasst kaltes Grausen. Diese, seine liebreizende Kanzlerin - immer und überall die Inkarnation von Herzensgüte und Mitgefühl gemeinsam mit ihrem, vom Schicksal schwer gebeuteltem Finanzminister, dem einzig verlässlichem Fixpunkt in einem Meer von sinnloser Verschwendung und gesundheitschädigender Völlerei, besonders in den arbeitsscheuen Bevölkerungen der Mittelmeeranrainerstaaten Griechenland, Italien, Spanien und Portugal, in der Rolle des Feindes? Unvorstellbar!

 Obwohl - dem Putin ist schliesslich alles zuzutrauen:
"Immerhin hat die russische Regierung sich auch in den amerikanischen Wahlkampf eingemischt: Die beiden Hackergruppen, die den kompromittierenden Mailverkehr der Demokraten abgefischt haben, arbeiteten nach Ansicht von Experten für den Kreml. Sozusagen als willkommener Service für Donald Trump, den Wladimir Putin lieber im Weißen Haus sähe als Hillary Clinton."
   Bittner mag beide nicht - Hillary nicht und schon gar nicht den Grosskotz Trump. Wenn aber Putin Trump zum Präsidenten der USA machen will, dann heisst es gegenhalten, wie im Fall der kleinen Lisa. Wieder tauchen die Bilder auf vor seinem geistigen Auge. Bilder von wütenden Menschen in billigen schwarzen Kunstlederjacken, mit schwarzen Kunstlederkappen auf den Köpfen. Bilder ausgestrahlt von "RT deutsch". Ein Propagandasender von Putins Gnaden:
"RT ist ein Schallverstärker für Moskaus Propaganda..."
 Bittner erstarrt, ein Schauer durchfährt seinen Körper. Er ist erschrocken, ja entsetzt über sich selbst. Spürt er doch Sympathie für die Art Journalismus. Erinnert der Sender ihn doch an seine Arbeit, denn der
"schreckt nicht vor Lügen und Verschwörungstheorien zurück."
 Ist er nicht Blut von seinem Blute, ist er nicht Fleisch von seinem Fleische? Plötzlich fällt ihm ein Satz des fleischgewordenen Bösen, des Maria-Hilf und Gott-Sei-Bei-Uns Wladimir Putin ein:
"Die Personen, die unsere Ansichten teilen, sind recht zahlreich. Und wir werden natürlich weiter unseren Weg gehen, unsere Ansichten verteidigen und uns auf die Personen stützen, die diese Ansichten mit uns teilen, in Russland, in Frankreich und auf der ganzen Welt."
 Sollte er womöglich einer von diesen sein, einer von denen, auf die sich diese Ausgeburt der Hölle stützt? Eine Stütze Putins? Bittner sucht nach einem Strick. Was ist das für ein Leben - ein Leben für den Satan. Es muss ein Ende sein.

 Aber halt - hat der Kremlherr nicht nur von Russland und Frankreich gesprochen? Deutschland hat er nicht erwähnt. Also kann der Mann aus dem Schlund der Hölle, dem KGB, auch nicht ihn, den aufrechten Kämpfer für das Gute, die Freiheit, den freien Welthandel, die Globalisierung, CETA, TTIP und die Dominanz der USA über die Welt, gemeint haben. Ja den Franzosen, den Erfindern des Laissez-faire, den rotweintrunkenen Hallodris von der anderen Seite des Rheins, denen kann man durchaus zutrauen, dass sie ihren Stolz für schnöden Mammon verkaufen. Weiss man doch:
"Auch in Frankreich ist Russland politisch aktiv und unterstützt den Front National mit Krediten."
 Allerdings - dem Mann ist alles zuzutrauen. Schliesslich ist es
"vor allem Angela Merkel, die innerhalb der EU darauf pocht, die Sanktionen wegen der russischen Annexion von Teilen der Ukraine aufrechtzuerhalten."
 Wieder ergreift Verzweiflung und Verzagtheit den Politik-Redakteur der Zeit:
"Die Frage liegt also nahe: Warum sollte Putin nicht auch die Entwicklung des stärksten Landes Europas, Deutschlands, beeinflussen wollen?"
 Bittner zermatert sein Hirn:
"Wie ließe Merkel sich schwächen?"
 Ihm will beim besten Willen nichts einfallen, was an dieser nicht greifbaren Frau, dieser Heroin der Wendigkeit, dieser personifizierten Inhaltslosigkeit wirklich eine Angriffsfläche bieten sollte. Vielleicht - Bittner beschleicht eine Ahnung. Vielleicht
"durch populäre Attacken auf ihre Flüchtlingspolitik zum Beispiel."
 Wieder entsteht ein Bild in seinen Gedanken. Ein Bild von seiner Heldin, wie sie das eine - das einzigste Mal in ihrer, gefühlt von Anbeginn der Zeit an währenden Kanzlerschaft, auf den Barrikaden stehend mit entblößter Brust wie die Marianne, das Symbol der französischen Revolution, die Richtlinie der Politik, der Flüchtlingspolitik bestimmt:
"Wir schaffen das!"
 Bittner grübelt und grübelt und das Bild was sich ihm bietet wird klarer von Minute zu Minute:
"Russland versucht seither beharrlich, unter anderem durch das internationale Redaktionsnetzwerk Sputnik, eine reaktionäre Unterströmung in den Westen zu exportieren."
 Auch wie diese "Unterströmung" aussieht ist ihm plötzlich klar:
"Ihre Ideologie läuft darauf hinaus, dass Ordnung der höchste Staatszweck sei. In dem Gesellschaftsvertrag, den Putin propagiert, einigen sich Regierende und Regierte darauf, dass Freiheit und andere Bürgerrechte nur in dem Maße gewährt werden, wie sie die Sicherheit und die sozialen Hierarchien nicht gefährden."
 Bittner erkennt die Gefahr. Er ist jetzt hellwach. Er hat den Code geknackt:
"In Zeiten von Terrorismus, Finanzcrashs, destabilisierenden Militärinterventionen und Massenmigration ist diese Ordnungsideologie im Westen marktfähig, viel marktfähiger womöglich, als es der Kommunismus je war, den Russland früher exportierte."
 Warum ist er nicht schon früher darauf gekommen? Warum erkennt er die Gefahr erst jetzt? Ein Bild aus alten Zeiten wird wieder lebendig. Ein Bild, wie Deutschland unter Adenauer schon einmal gegen die Gefahr aus dem Osten kämpfen musste und fast unterlegen wäre, hätte die CDU im Wahlkampf 1953 nicht gegengehalten gegen die Sozis, diese unsicheren Kantonisten, die schon damals wie heute die Linkspartei bereit waren, dieses schöne Deutschland an den Kreml zu verschachern.
Jochen Bittner erinnert sich genau, wie ihn sein Grossvater auf den Schoß nahm und ihm von den bösen Kommunisten, den russischen Horden, die immer und ewig bereitstehen, um wie in den vierziger Jahren unser schönes Vaterland zu überfallen. Damals 1953 war es der grosse Staatsmann Konrad Adenauer, der dem Ansturm der slawischen Horden von jenseits der Elbe widerstand, mit diesem schönen, immer aktuellem Wahlplakat.

 Plötzlich, wie aus dem Nichts stand Gott vor dem verduzten Jochen Bittner. Und Gott sprach zu ihm:
"Jochen, gehe hin in alle Welt und verkünde die Botschaft aller Kreatur!"
Bittner fiel auf die Knie und seine Stimme zitterte:
"Werden sie mir glauben, oh Herr?"
Und Gott nahm die Gestalt des Herausgebers der Zeit, Josef Joffe an und sprach zu ihm:
"Warum zweifelst Du, Jochen? Wahrlich ich age dir: 'Du aber bleib bei dem, was du gelernt hast und wovon du völlig überzeugt bist! Du weißt ja, wer deine Lehrer waren, und bist von frühester Kindheit an mit den heiligen Schriften vertraut, die dir die Weisheit vermitteln können, die zur Rettung nötig ist - zur Rettung durch den Glauben an das grosse heilige Amerika"
 Und ganz prosaisch fügte Gott, der nun ganz und gar Josef Joffe war hinzu:
"Du weisst doch Jochen, die Zeit-Leser glauben doch jeden Scheiss, wenn er nur von uns kommt!"
Jochen Bittner tat, wie ihm geheissen, setzte sich an seinen Computer und schrieb den hier vorgestellten Artikel:
"Für Trump und gegen Merkel"
Bild: Screenshot

Montag, 15. August 2016

Der vorauseilende Gehorsam des "Meinungsjournalisten" Kurt Pelda

Kurt Pelda ist ein freier Journalist aus der Schweiz.
"Ich bin Meinungsjournalist und kein objektiver Beobachter",
sagt Pelda laut der Schweizer Tageswoche vom 4. September 2014 über sich selbst. Und als ein solcher muss er, will er gut verdienen, die Wünsche der verantwortlichen Redakteure in den Aufträge vergebenden Medien bedienen.
"Als freier Journalist richte er sich nach der Nachfrage der Medien",
zitiert ihn das "Schweizer Radio und Fernsehen (SRF)" am 24. November 2014. Ein Mann also der nicht nur käuflich ist, sondern auch kein gesteigertes Interesse an objektiver Berichterstattung hat.

 Ob das das entscheidende Kriterium war, das den Deutschlandfunk veranlasst hat Pelda mit einem Kommentar zum Syrienkrieg zu beauftragen, ist nicht bekannt. Wer aber die "Berichterstattung" (hier sind die Anführungsstriche mehr als gerechtfertigt), des sich aus dem Zwangsbeitrag der Deutschen Bundesbürger finanzierenden öffentlich-rechtlichen Senders, in der letzten Zeit näher betrachtet hat, dem scheint diese Option durchaus plausibel.

 Dereinst im kalten Krieg gegründet als Propagandakanal, um den Bürgern der DDR die Segnungen des Westens näher zu bringen, sendete der Deutschlandfunk auf Mittel- und Langwelle um auch den letzten Winkel der DDR und seine östlichen Nachbarn Polen, die damalige Tschechoslowakei und Ungarn zu beglücken. Irgendwie haben die Macher des Deutschlandfunks dann wohl das Ende des Warschauer Paktes verschlafen, denn immer noch giftet der Kanal gegen Moskau, als sei diese immer noch die Hauptstadt der Sowjetunion.

 Erzkonservativ, als Sprachrohr der Bundesregierung und unserer "Freunde" von der anderen Seite des Atlantiks ist der Sender nach wie vor auf Krawall gebürstet. Da ist es nur logisch, dass der Sender keinen objektiven Beobachter sondern einen Meinungsjournalisten wie Kurt Pelda die Möglichkeit gibt, sich seine Brötchen zu verdienen. Wobei der Deutschlandfunknicht nicht Peldas einziger Brötchengeber ist.

 Da steht in vorderster Linie die Schweier "Weltwoche". Unumschränkter Beherrscher der Weltwoche ist der Verleger und Chefredaktor, der Irakkrieg-Befürworter, Roger Köppel, der 2015 Mitglied der Schweizerischen Volkspartei (SVP) wurde, und im gleichen Jahr, im Oktober, auf der Liste des Schweizer Pendants der deutschen AFD in den Nationalrat gewählt worden ist.

 Der Schweizer Soziologe Linards Udris Schreibt in seinem Buch "Politischer Extremismus und Radikalismus - Problematisierung und diskursive Gelegenheitsstrukturen in der öffentlichen Kommunikation der Deutschschweiz":
"...die mittlerweile wählerstärkste Schweizerische Volkspartei SVP (sei) als rechtsradikal oder gar rechtsextrem zu klassifizieren".
  Wer aus diesem Dunstkreis, zu dem auch die Autoren der "Achse des Guten" um Henryk M. Broder, deren Artikel auf einer Website der Weltwoche gepostet werden gehören, für den ist klar, dass einem Mann wie dem deutschen Aussenminister Frank Walter Steinmeier, dessen
"Mantra, man müsse nach diplomatischen Lösungen suchen, ohne dabei entsprechenden Druck auszuüben", 
diesem letztlich
"als Feigenblatt für die eigene Impotenz herhalten muss".
 Mit Impotenz dürfte, wir wollen das zu Steinmeiers Vorteil einmal annehmen, hier wohl weder die Erektile Dysfunktion lateinisch, mpotentia coeundi, noch die Anejakulation, impotentia ejaculandi, noch die Zeugungsunfähigkeit, impotentia generandi, gemeint sein, sondern eine nicht näher beschrieben geistige Unfähigkeit.

 Unfähigkeit, wozu? Pelda lässt uns mit dieser Frage im Regen stehen, er beantwortet sie nicht. Stattdessen beschwert er sich über Steinmeiers angeblichen Unwillen
"Putin und Assad vom Massenmord"
in Aleppo abzuhalten:
"Man wiederholt wohlklingende Phrasen gebetsmühlenhaft, rührt in Wirklichkeit aber keinen Finger".
 und typisch für einen in der Wolle gefärbten Sozen:
"zu groß ist die Angst, man könne Moskau verärgern".
 Aber Steinmeier ist nicht allein. Einmal in Fahrt gekommen reicht Peldas Bannstrahl bis nach Washington. Da mutiert selbst der König der Killerdrohnen, der Massenmörder Obama zu einem, vor Putin kuschenden Feigling:
"Es ist dieses Mantra der Untätigkeit, des Wegsehens und des Nicht- Benennen-Wollens, das zur syrischen Katastrophe maßgeblich beigetragen hat. Doch sogar dieser recht einfachen Erkenntnis versperren sich die Geister in Berlin und Washington."
 Und dass, obwohl im Gegensatz zu der ausgefeilten feinen Technik der US-Amerikaner, dessen Generalstabschef Norman Schwarzkopf ja schon im Irakkrieg 2003 behaupteten, ihre totbringenden Bomben seien so präzise, das sie in einem Gebäude ausschliesslich die Toiletten treffen könnten, fraglich sei nur noch, ob die Herren- oder Damenklos, Russland immer noch, die mittlerweile über 70 Jahre alten Bomben aus dem zweiten Weltkrieg über Syriens Städten entsorgt:
"Videos des russischen Verteidigungsministeriums belegen, dass Moskaus Flugzeuge ihre Bombenschächte hoch oben am syrischen Himmel öffnen und ihre tödliche Fracht abwerfen. Wohl gemerkt: Das sind keine klugen Lenkwaffen, mit denen sich ein Panzer oder ein Bunker präzise treffen lässt, sondern ungelenkte Bomben wie im Zweiten Weltkrieg, die nicht zwischen militärischen Zielen und Zivilisten unterscheiden können."
 Da sind Obamas Drohnen doch von ganz anderer Qualität - mit nur einem kleinen Manko behaftet - sie können immer noch nicht Terroristen von friedlich feiernden Hochzeitsgesellschaften unterscheiden.

 Es scheint allerdings eine technische Neuerung zu geben, die an die alten Weltkrieg-zwei-Bomben aus Stalins Aservatenkammer angeschraubt wurden. Sie erlaubt den slawischen Horden, die sich in Syrien breitmachen
"Dass Putins Flugzeuge zusammen mit der syrischen Luftwaffe Wohngebiete im Osten von Aleppo und anderswo in Schutt und Asche legen, dass dabei zahlreiche Krankenhäuser ...aus der Luft offenbar gezielt zerstört oder beschädigt wurden".
 Anscheinend eine Krankenhaus-Zerstörungs-App, wie anders ist es zu verstehen, dass Putin mit "ungelenkte(n) Bomben wie im Zweiten Weltkrieg, die nicht zwischen militärischen Zielen und Zivilisten unterscheiden können", Krankenhäuser aus der Luft gezielt zerstören und beschädigen kann?

 Die massenhafte Verwendung dieses Add-ons
"sind Kriegsverbrechen, für die letztlich auch Putin die Verantwortung trägt."
 Das Ganze mutet sehr wie der Text eines verwirrten Geistes an, besonders wenn man sich darin weiter vorarbeitet:
"Ausgerechnet die als Terrororganisation gebrandmarkte Nusra-Front wird möglicherweise schon bald als Befreierin der eingeschlossenen Zivilbevölkerung gefeiert werden",
schreibt Pelda und es mutet schon etwas bizarr an, wenn er die Al Nusra-Front, die er nicht als Terrororganisation benennt, sondern nur als eine, als solche "gebrandmarkte" bezeichnet, als Befreierin der Zivilbevölkerung vom
"Schlächter von Damaskus"
feiert.

 Es mag auch bizarr wirken, wenn Pelda  nicht nur Steinmeier, sondern in einem Abwasch auch der UN und Washington, als ein Synonym für Obama, für die
"Untätigkeit, des Wegsehens und des Nicht- Benennen-Wollens, das zur syrischen Katastrophe maßgeblich beigetragen hat",
anklagt. Aber es macht durchaus Sinn. In Washington wird, wenn sie denn nicht vorher in irgendeinem Staatsgefängnis landet, Hillary Clinton im nächsten Jahr das Amt des US-Präsidenten übernehmen. Und da macht es sich schon jetzt einmal gut, wenn man sich bei der Ikone der US-amerikanischen Neocons andient. Eine zahnlose UN, und ein US-Präsident Obama, dem immer mehr das Etikett eines Verräters angehängt wird, der durch seine zögerliche Politik die Vormachtstellung der USA in der Welt geopfert hat, sind in der Presse immer häufiger, neben den Haupttätern Assad und natürlich Putin die Schuldigen, wenn es um die Opfer des Syrienkrieges geht.

 Hillary ist da aus einem ganz anderen Holz geschnitzt. Befürworterin von George W. Bushs Irakkrieg, glühende Verfechterin des Libyenkriegs und der physischen Vernichtung Gadaffis "We Came, We Saw and He Died" (Wir kamen, wir sahen und er starb) einer sogenannten "Flugverbotszone" für Syrien, eine Förderin Victoria "Fuck the EU" Nulands, die auf dem Kiewer Maidan Donats verteilte, und Putin mit Hitler verglich: "Putin’s actions are like ‘what Hitler did back in the ’30s’", ist sie stets und überall für militärische Einsätze zur Durchsetzung US-amerikanischer Interessen. Ganz im Sinne Madeleine Albrigts, der Aussenministerin des 42. Präsidenten der USA, Hillarys Ehemann Bill Clinton, die den damaligen Chef des Generalstabs und späteren Verteidigungsminister unter George W. Bush Colin Paul im Zusammenhang mit dem Bosnienkrieg fragte:
"Was ist der Sinn dieses großartigen Militärs, wenn wir es nicht verwenden können?"
 Will man späterhin weiter Aufträge von den Medien bekommen, dann muss man schon einmal rechtzeitig beweisen, dass man ein harter Hund ist. Denn für die Herren der veröffentlichten Meinung ist der ehemals gefeierte Friedensnobelpreisträger Obama eine "Lame Duck". Die Zukunft ist "crooked Hillary". Nicht umsonst macht der Mainstream Stimmung für Hillary, als ginge es um die Wiederwahl der deutschen Kanzlerin und die von ihr nach der Höhe des Speichelleck-Faktors vergebenen Sitze in der Regierungsmaschine bei Auslandsbesuchen.

Dienstag, 9. August 2016

Wladimir Putin, als Bösewicht für die Medien unbezahlbar

  Er ist schon ein wahrer Segen für die westliche veröffentlichte Meinung: Die Fleischwerdung des Bösen, die Inkarnation Luziffers - Wladimir Wladimirowitsch Putin, der Präsident des Reichs der Finsternis - Russland.

 Die letzten Wochen waren die Blätter und die Rundfunk- und Fernsehkanäle voll von Nachrichten über das russische Staatsdoping. Die ARD und ihr Redakteur Hajo Seppelt gar durften sich als Zentrum des Universums der Lauterkeit im Sport, als strahlender Stern am Firmament der Antidopingbewegung, als Fels in der Brandung gegen ein Meer staatlich geförderten Betrugs im sonst doch so reinen und hehren Leistungssport produzieren.

 Ganze Stäbe in den Redaktionen waren bemüht einen direkte Beteiligung Putins am Doping russischer Sportler nachzuweisen. Alle russischen Sportler, so stand es geschrieben und so konnte man hören, egal ob ihnen Doping in der Vergangenheit nachgewiesen werden konnte oder nicht, seien von Olympia auszuschliessen - ohne ansehen der Person. Das, so hörte man, sei natürlich keine Kollektivstrafe, und schon gar nicht politisch motiviert, und es entspräche auch nicht der Wahrheit, dass russische Sportler unter Generalverdacht ständen. Man müsse, so hiess es, wolle man ernst genommen werden im Kampf gegen Doping, ein Exempel statuieren.

 Das erinnert mich ein wenig an das eher lächerliche Verhalten meiner alten Lehrer die, wenn sie nicht mehr weiter wussten, einfach die ganze Klasse nachsitzen liessen. Das mag vielleicht ein probates Mittel sein, um pubertierende Schüler zu disziplinieren, die Vergangenheit hat allerdings gezeigt, dass falsches Handeln nicht durch abschreckende Strafen verhindert wird. Wenn dem so wäre, würde in den USA niemand mehr ermordet, steht doch in den meisten Staaten der USA auf Mord die Todesstrafe. Schon gar nicht wirkt das Prinzip von Zuckerbrot und Peitsche, um Staaten, wie hier in einem Stellvertreterkrieg, genannt Sport, auf den vermeintlich rechten Weg zu bringen.

 Aber geht es wirklich um die Sauberkeit im Sport, in einer Zeit, in der der britische Radrennfahrer Christopher Froom und nicht nur der Patron Froom, sondern dessen gesamtes Team Sky, bezahlt vom Medienmogul Rupert Murdoch, bei der Tour de France die gesamte Weltspitze der Profiradfahrer distanziert bei ihrer Fahrt über Alpenpässe mit mehr als zehn Prozent Steigung, an einem Tag der Tour sogar über viertausend Höhenmeter, so als radele eine Grossfamilie zum Sonntagsnachmittagskaffee. Übrigens lautstark bejubelt von den Sportreportern der ARD, die auch schon Jan Ulrich und Lance Armstrong zu Füssen lagen.

 In einer Zeit, in der bei zwei Nachtests auf Doping bei den Spielen von 2008 in Peking und 2012 in London von 1243 Proben 98 positiv ausfielen, scheint das Problem keinesfalls ein rudimentäres oder gar rein russisches zu sein. Schliesslich ist das eine Trefferquote von 8%. Jeder 12. Athlet hat also nicht nur bei der Vorbereitung und im Aufbautraining geschummelt, sondern auch während der Olympischen Spiele oder unmittelbar davor. Welchen Nationen diese Chemielaboranten angehörten, wurde nicht mitgeteilt. Man könnte vermuten, dass sie auch den jetzt am lautesten einen Ausschluss Russlands fordernden Nationen angehören.

 In einer Zeit in der anscheinend jeder Hochleistungssportler unter Asthma leidet? Eine Krankheit mit der man bei der Nationalen Anti-Doping-Agentur eine Ausnahmegenehmigung bekommen kann, die die Indikation von Asthmamitteln erlaubt. Diese Mittel, z.B. Kortison, erweitern die Atemwege, sodass der Körper mehr Sauerstoff aufnehmen kann, was besonders in Ausdauersportarten zu Leistungssteigerungen führt. Und nach dem Motto "Viel hilft viel" kann es dann schon mal passieren, dass man sich das Mittel, statt über einen Inhalator, mit einem Zerstäuber direkt in die Atemwege sprüht. Upps! Ein Versehen!
"Ich bin immer vorsichtig mit meinen Medikamenten umgegangen und habe den Ärzten vertraut",
so der norwegische Skilanglauf-Star Martin Johnsrud Sundby und niemand wird stutzig, wenn der Mann von "Medikamenten" und von "Ärzten" fabuliert. - Anscheinend ein schwer kranker Mann. Und weil der Skilangläufer Martin Johnsrud Sundby durch seinen Sport den Ruhm Norwegens in der Welt stetig mehrt, übernahm Norwegens Skiverband umgehend die
"volle Verantwortung für den Fehler bei der Einnahme der Medikamente"
 Will man dem norwegischen Skiverband und der norwegischen Ärzteschaft, zumindest den Ärzten dieses Sportverbandes nicht böswilligen Betrug, wie etwa "Putin und seinen Handlangern" unterstellen, so muss man annehmen, dass sowohl Martin Johnsrud Sundby, als auch die Funktionäre des norwegischen Skiverbandes und dessen Ärzte an einer ausgeprägten  Legasthenie, also einer Schreib-Leseschwäche leiden, da sie anscheinend nicht in der Lage sind, Beipackzettel oder Vorschriften der Anti-Doping-Agentur zu lesen und zu verstehen.

 Martin Johnsrud Sundby fiel auf und wurde für zwei Monate gesperrt - mitten im Sommer. Im nächsten Winter können sich dann die Zuschauer wieder an dem asthmatischen Röcheln des Martin Johnsrud Sundbys erfreuen.

 Ein hartes Schicksal, das der pferdefüssige Kremlherr Putin den russischen Athleten, dank seiner ausgezeichneten Beziehungen in der Welt der Sportfunktionäre ersparen konnte. Da ist zunächst, aber auch zuallererst der Präsident des IOC Thomas Bach. Ein, glaubt man der internationalen Presse, ausgewiesener Freund Putins. Als Beweis hierfür dienen den Medien die immer gleichen Bilder von den Olympischen Winterspielen in Sotschi.

 Auf Bach konzentriert sich dann auch der shitstorm, den die internationale, aber besonders die deutsche Qualitätspresse entfachte, nachdem bekannt wurde, dass das IOC den Weltsportverbänden die Entscheidung darüber überlassen hatte, welche russischen Sportler an den Wettkämpfen in Rio teilnehmen dürfen und welche nicht. Dass die Entscheidung kein Alleingang des Präsidenten des IOC war sondern vom IOC-Board, das aus 15 Mitgliedern besteht, den Kontinentalverbänden und den Athletenkommissionen einstimmig mit nur einer Enthaltung gefallen war - eine zu vernachlässigende Petitesse. Bach ist ein Freund Putins und damit basta!

 Geradezu begierig stürzte sich die versammelte Entrüstung auf die Äusserungen des gern schon einmal öffentlich seine Trikots zerreissenden deutschen Diskusswerfers, auch gern als Diskus-Star titulierten, Robert Harting. Harting, der im Jahr 2009 noch lautstark für eine eingeschränkte Freigabe von Dopingmitteln Stimmung gemacht und gleichzeitig Opfer des systematischen Dopings in der DDR verunglimpft hat. Die nämlich, wollten während der Leichtatlethik-WM in Berlin in einer Aktion 20.000 Pappbrillen verteilen
"um plakativ auf den im Verborgenen weiter stattfindenden Missbrauch verbotener Mittel aufmerksam zu machen",
wie "Spiegelonline" am 18.August 2009 schreibt. Harting damals:
"Wenn der Diskus auf dem Rasen aufspringt, soll er gleich gegen eine der Brillen springen, die die Dopingopfer hier verteilt haben. Aber ich bin kein Mörder, ich will nur, dass sie wirklich nichts mehr sehen."
 Damals im Jahr 2009 war die Sicht Hartings auf die Dopingproblematik noch eine grundsätzlich andere, was daran lag, dass der Vertrag seines damaligen Trainers Werner Goldmann vom "Deutschen Leichtatlethik Verband" nicht verlängert werden sollte. Frank Bachner von der Zeit schrieb im Januar 2009:
"Der Fall wurde zum öffentlichen Thema, weil Goldmanns früherer Athlet Gerd Jacobs vor den Olympischen Spielen in Peking erklärt hatte, der Coach habe ihm Dopingmittel gegeben. Jacobs ist vom Bundesverwaltungsamt in Köln als Dopingopfer anerkannt und lebt mit einem Spenderherz. Er leidet noch heute unter gesundheitlichen Beschwerden."
 Goldmann hatte seine Beteiligung am Doping-System der DDR noch vor den Olympischen Spielen in Peking 2008 geleugnet. Harting schrieb zusammen mit seinem Bruder Christoph und den Atlethen Markus Bandekow, Ralf Bartels, Candy Bauer, Max Bedewitz, Oliver-Sven Buder, Franka Dietzsch, Andy Dittmar, Julia Fischer, Sophie Kleeberg, Nadine Kleinert, Jessica Kolozei, Petra Lammert, Christina Obergföll, Gunnar Pfingsten, Marc Roos, Marco Schmidt, Peter Sack, David Storl einen anrührenden öffentlichen Brief an das "Bundesinnenministerium," den "Deutschen Sport Bund", den "Deutschen Leichtatlethik Verband" den "Sport-Informations-Dienst" und die "Deutsche Presse Agentur".

 Harting und seine Mitstreiter wollten zwar
"die Gründe, Vorwürfe, Unrechtmäßigkeiten, Beschuldigungen, verjährten Anschuldigungen etc. …des Rausschmisses …nicht detailliert"
beleuchten, aber
"dem Menschen Werner Goldmann vermitteln, dass da Sportler sind, die eine solche 'Bauernopferjagd' nachdenklich stimmt, stark betroffen macht und Ängste schürt."
Sport, so die Briefschreiber sei Werner Goldmanns Leben:
"Es gab keine 40-Stunden-Woche, Gleitzeit, festen Arbeitsort, 8-Stunden-Tag und ein Telefon abschalten nach 16.30 Uhr. Trainer-Sein in seiner Position bedeutete: 24-Stunden-Tag, 7-Tage-Woche und dies über 40 Wochen im Jahr."
Die Autoren fahren fort, und Harting sollte sich heute vielleicht noch einmal die Zeilen von damals durchlesen und sich fragen, wie es sich für die vielen unschuldigen russischen Sportlern bei einem Ausschluss von den Olympischen Spielen anfühlt, nicht dabei sein zu können:
"Die Kündigung des Jobs gleicht einer Amputation, einem Entzug von Lebenselixieren. Als würde man einem Musiker lebenslang „Instrumentenverbot“ geben, einem Künstler die Farbtöpfe versiegeln oder dem Sänger die Stimmbänder lähmen. Hat im Rahmen dieses Verfahrens jemand einmal die Seite Mensch des Werner Goldmanns betrachtet?"
In völliger Verkennung, des deutschen Rechts beklagen Harting und seine Kolleginnen und Kollegen:
"Die Gründe der Anschuldigungen sind 25 Jahre her. Mörder sind nach solchen Zeiten amnestiert, entlassen oder „rehabilitiert“, aber im Fall Goldmann gibt es keine Frist."
 Mord verjährt nicht. Erst nach einem rechtsgültigem Urteil kann "amnestiert, entlassen oder rehabilitiert" werden. "Aber im Fall Goldmann" war bis dahin, auch Dank der falschen Angaben Goldmanns gar kein Urteil ergangen.

 Goldmann erhielt eine Vertragsverlängerung und Friedhard Teuffel kommentierte damals voller Mitgefühl für den  Dopingtrainer in der Zeit:
"Es gibt keinen Hinweis darauf, dass sich Werner Goldmann in den vergangenen neunzehn Jahren im Sport etwas hat zuschulden kommen lassen. Dass er in dieser Zeit nicht auf Doping in der DDR zu sprechen kam, mag vor allem für die Opfer des DDR-Dopingsystems enttäuschend sein. Doch es ist menschlich verständlich. ...Die Sportverbände wollten mit diesen Erklärungen eine Brücke aus der Vergangenheit in die Gegenwart bauen, auch um Athleten von heute nicht ihre Trainer wegzunehmen.
Die Chancen für einen ehrlichen Umgang mit belasteten Trainern sind ohnehin nach der Wende verspielt worden, als der wiedervereinigte deutsche Sport die Augen vor Doping in Ost und West verschloss. Glückliche Entscheidungen zum Doping der Vergangenheit kann es heute nicht mehr geben, allenfalls faire."

 Der ehemalige DDR-Bahnradfahrer und selbst Dopingopfer, Uwe Trömer, sagte damals über Robert Harting:
"Außerhalb des Diskusringes zeichnete er sich nicht durch sportlicher Fairness aus."
 Ein Satz, der auch heute seine Gültigkeit nicht verloren zu haben scheint. So äusserte Harting über Thomas Bach:
"Er ist für mich Teil des Doping-Systems, nicht des Anti-Doping-Systems. Ich schäme mich für Thomas Bach",
und er stellte die Frage
"ob Bach als IOC-Präsident noch tragbar ist. Aber ich alleine werde da nichts verändern können."
 Mit seiner Einschätzung, dass nur eine
"Allianz aus Wirtschaft, Medien und Politik"
Bach stürzen könne, gab Harting, wohl eher unfreiwillig, eine äusserst zutreffende Antwort ab, auf die Frage der wahren Machtverhältnisse im aktuellen Hochleistungssport. Spätestens seit den "Coca-Cola-Spielen" von Atlanta 1996 ist Olympia fest in den Händen weltweit agierender Firmen und ebenfalls weltumspannender Broadcasting-Gesellschaften. 92% des Haushalts Olympias wird von den Sponsoren und den Fernsehanstalten aufgebracht. Zu den "Worldwide Olympic Partners" zählen Coca-Cola, Acer, Athos, Bridgestone, Dow, General Electric, Mac Donalds, Omega, Panasonic Procter & Gamble, Samsung und Visa.

 Hier sind die waren Herrscher über den Sport zu finden und nicht, wie uns Jörg Mebus und Dominik Kortus vom "Sportinformationsdienst" (sid) in einem von mehreren Medien verbreitetem Artikel weismachen wollen, bei Putin, der angeblich, wie ntv den Artikel betitelte "den Weltsport lenkt".

Wollte man die Abhängigkeit des IOC und seines Präsidenten Thomas Bach mit Bildern darstellen, so sind das wohl eher die Bider, die Bach mit den Sponsoren zeigen
Mebus und Kortus behaupten:
"Der russische Präsident, der den Sport vor allem als Werbemaßnahme für Russland begreift, ist der vielleicht am besten vernetzte und einflussreichste Mann im Weltsport."
Der Beweis ihrer kühnen Behauptung:
"Nach der Wahl Bachs zum IOC-Präsidenten war Putin einer der ersten Gratulanten."
 Und sie zitieren den russischen Oligarchen Wladimir Potanin:
"Das ganze Gerede, dass man Koffer voller Geld bringt, und dann läuft alles schon - das ist Unsinn. Wenn du Geld für die Organisationen gibst, bedeutet das, dass du die Möglichkeit erhältst, Wettkämpfe durchzuführen und in Führungspositionen zu kommen. Das ist viel effizienter als alle Koffer voller Geld."
Mebus und Kortus benutzen die Worte Potanins als Steilvorlage:
"Russland verschafft sich mit Hilfe von viel Geld zunächst Einfluss und erzeugt dann Abhängigkeit. Der Energie-Riese Gazprom gehört zu den Hauptsponsoren der Fußball-Verbände Fifa und Uefa",
 - und setzen ihren Schuss meilenweit neben das Tor. Schaut man näher hin, so ist Gazprom sowohl bei der FIFA als auch bei der UEFA bestenfalls einer unter vielen Sponsoren.

FIFA-Partner:
  • adidas
  • Coca Cola
  • Wanda Group
  • Gazprom
  • Hyundai/Kia
  • Visa
Die Sponsoren der UEFA-Champions-League:
  • Nissan
  • Heineken
  • Mastercard
  • Gazprom
  • Sony mit der PlayStation 4
  • Unicredit
  • PepsiCo mit Lay’s Super Chips
Unter den internationalen Sponsoren der Fussball-Europameisterschaft 2016 war Gazprom gar nicht vertreten:
  • adidas
  • Carlsberg
  • Coca Cola
  • Continental
  • Hyundai/Kia
  • McDonalds
  • Orange
  • The State Oil Company, Azerbaijan
  • Turkish Airlines
  • Hisense
 Viel mehr haben die beiden Autoren dann auch nicht mehr aufzuweisen als Beleg für ihre Behauptung, der russische Präsident Putin lenke den Weltsport.

 Sie können noch den in Usbekistan geborenen schwerreichen Geschäftsmann Alischer Usmanow aufführen, der Präsident des Weltfechtverbandes ist. Allerdings bleiben selbst Mebus und Kortus jeden Hinweis auf Verbindungen Usmanows zu Putin schuldig. Ausserdem, so Mebus und Kortus, habe Russland
"drei IOC-Mitglieder, nur die Schweiz und Großbritannien kommen auf vier."
 Ein Skandal dieser gewaltige Einfluss, in Anbetracht der Tatsache, dass das IOC 97 Mitglieder zählt - aber wohl eher der Einfluss der vergleichbar kleinen Schweiz.

 Endgültig ins absolut irrationale gleiten die Autoren ab, wenn sie den Schwimm-Weltverband Fina anführen. Der, so Mebus und Kortus
"ehrte Putin 2014 mit dem höchsten Orden des Verbandes, kurze Zeit nach der Annexion der Krim und dem Ausbruch des Konflikts in der Ostukraine."
 Ein ebenso starkes Argument, wie die Ehrenpräsidentschaft Putins, der ja bekanntlich selbst leidenschaftlicher Judoka ist, im Judo-Weltverband IJF. Auch hier wittern Mebus und Kortus eine Verschwörung:
"Boss des Verbandes ist der Ungar Marius Vizer, ein enger Vertrauter des Kreml-Chefs. Er saß sogar an der Spitze der Vereinigung der 107 internationalen Sport-Verbände (SportAccord) und war das, was Putin am liebsten hat: ein enorm einflussreicher Strippenzieher im Weltsport. Dummerweise legte sich Vizer mit dem IOC-Präsidenten Bach gleich auf mehreren Ebenen an. Er verlor den Machtkampf und musste zurücktreten. Putin hielt still - und feierte nun mit der IOC-Entscheidung einen großen Erfolg."
 Womit wir wieder bei Thomas Bach wären, der ja laut Robert Harting "Teil des Doping-Systems" ist.

  Zum Glück gibt es aber noch Sportler, die über den Tellerrand ihres Sportes sehen können und für die die Entscheidung des IOC nicht, wie für Harting, einem "Weltuntergang" gleichkommt. So sagte Julius Brink, Beachvolleyball-Olympiasieger in London 2012:
"Wir hier in Deutschland sind definitiv nicht in der Position, uns im Anti-Doping-Kampf gross aus dem Fenster zu lehnen."
 Damit weist Brink auf den Umgang mit Doping in Deutschland hin. Die Welt schreibt vor ziemlich genau zwei Jahren, am 3. August 2013:
"In der Bundesrepublik Deutschland ist offenbar spätestens seit Beginn der 70er-Jahre ein systematisches, organisiertes und vom Staat finanziertes Dopingprogramm betrieben worden."
 "Die Welt" beruft sich in ihrem Artikel auf eine Veröffentlichung von Johannes Aumüller, Boris Herrmann, René Hofmann und Thomas Kistner in der Süddeutschen vom gleichen Tag. Darin schreiben die Autoren:
"In dem etwa 800 Seiten dicken Bericht über 'Doping in Deutschland von 1950 bis heute' wird detailliert aufgeführt, in welchem Umfang und mit welcher Systematik zu Zeiten des Kalten Krieges auch in Westdeutschland Doping und Dopingforschung betrieben wurden. Demnach finanzierte der Staat über Jahrzehnte aus Steuermitteln Versuche mit leistungsfördernden Substanzen wie Anabolika, Testosteron, Östrogen oder dem Blutdopingmittel Epo."
 In der Studie der Berliner Humboldt-Universität, die im Auftrag des Bundesinstituts für Sportwissenschaft (BISp) erstellt wurde und bis zum heutigen Tag nicht veröffentlicht wurde, weil sie angeblich Persönlichkeitsrechte verletze, wird ein Gespräch zwischen einem BISP-Funktionär und dem damaligen Bundesinnenminister zitiert:
"Von Ihnen als Sportmediziner will ich nur eins: Medaillen in München.' (Austragungsort der Olympischen Spiele 1972; d. Red.). Da habe ich gesagt: ,Herr Minister: Ein Jahr vorher? Wie sollen wir da noch an Medaillen kommen?' ,Das ist mir egal."
 Innenminister war damals Hans Dietrich Genscher. die Süddeutsche zitiert aus dem ihr vorliegendem Bericht:
"Den HU-Historikern zufolge verteilte das BISp jedoch allein zehn Millionen D-Mark an die zentralen sportmedizinischen Standorte in Freiburg, Köln und Saarbrücken. 
...Der Dopingmissbrauch zog sich demnach quer durch zahlreiche Sportarten. Bei den Leichtathleten standen Anabolika hoch im Kurs, die Fußballer sollen Pervitin und später andere Amphetamine benutzt haben, und alleine bei den Olympischen Spielen 1976 wurde 1200 Mal die Kolbe-Spritze injiziert - benannt nach dem Ruderer Peter-Michael Kolbe. Zudem zeigt der Bericht, dass westdeutsche Sportmediziner sogar vor Minderjährigen-Doping nicht zurückschreckten, dass bereits 1988 mit Epo experimentiert wurde und dass die Politik eingeweiht war und das System weniger bekämpfte als beförderte."
In einer kurzen 41 seitigen Zusammenfassung des Berichts heisst es über die Jahre 1990 - 2007:
"Insgesamt kann gesichert angenommen werden, dass der Kreis der Mitwisser groß war: Im Sport waren dies die Spitzen im DSB und NOK, der BA-L, das BISp und über die Anwesenheit der BMI-Vertreter letztlich auch die Fachaufsicht. Dabei koor- dinierte das BISp Forschungen mit Anabolika, Testosteron und anderen für Dopingzwecke geeigneten bzw. als geeignet eingeschätzten Substanzen."
 Inzwischen haben die Olympischen Spiele in Brasilien begonnen. Etwa 280 russische Sportler nehmen an ihnen Teil. Der erste Dopingfall wurde auch schon bekannt. Die italienische Beach-Volleyballerin Viktoria Orsi Toth wurde positiv auf  das anabole Steroid Clostebol getestet. So eine Panne kann Brasiliens Olympioniken zum Glück nicht passieren. Die wurden nämlich in weiser Voraussicht im gesamten letzten halben Jahr erst gar keinen Tests mehr unterzogen.

 Das ist aber nur noch von geringem Interresse. Die Meute der Journalisten stürzte sich auf ein neues Thema. Wikileaks veröffentlichte E-mails der Führung der Demokratischen Partei in den USA, aus denen hervorgeht, dass die Parteiführung masiv Hillary Clinton gegen ihren letzten verbliebenen Gegner um die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten, Bernie Sanders, unterstützte und sogar so weit gehen wollte, Sanders als Atheisten zu diskreditieren, um ihn für die gläubigen US-Bürgern unwählbar zu machen. Aber nicht diese Manipulation der "crooked Hillary" (betrügerische Hillary), wie sie von ihren politischen Gegnern mittlerweile genannt wird, ist Thema der Medien, sondern die durch nichts belegten oder gar bewiesenen CIA-Behauptungen, der russische Geheimdienst, also Wladimir Putin stehe hinter den geleakten E-Mails. Eine uralte Taktik: Wenn eine Schweinerei auffliegt, dann ruft man um von sich abzulenken: "Haltet den Dieb!"

Da hatten wir Europäer es schon wesentlich einfacher. Die Republik Österreich hatte die Karawanken-Autobahn (A11) in Kärnten gesperrt. Grund war der Besuch des russischen Präsidenten Putin in Slowenien um 300 russischer Kriegsgefangener im ersten Weltkrieg zu gedenken, die am slowenischen Vrsic-Pass von einer Lawine getötet worden waren.
"Putin sorgt für Stau",
empörte sich die Tagesschau und fügte hinzu:
"Alle Bundesländer haben Ferien. Die Folge sind kilometerlange Staus auf den Autobahnen Richtung Meer und Alpen. Das ist jedes Jahr so. Doch in diesem Jahr kommt auf einer der wichtigen Routen Richtung Adria noch ein Problem hinzu: ein Putin-Besuch."
Man darf gespannt sein, wann die Tageschau vermeldet, dass das eher durchwachsene Sommerwetter auf eine Schurkerei Putins zurückzuführen ist.

Donnerstag, 21. Juli 2016

In eigener Sache



 Auf der Rechtsaussenseite "Anonymousnews.de" wurde ohne meine Einwilligung und ohne Nennung des Urhebers mein post
"Marieluise Beck zu Gast bei Us-amerikanischen Fracking- und Uranunternehmen - oder: Wie Politik entsteht"
vom 30. Dezember 2014 eins zu eins abgekupfert.

Von der Seite "Anonymousnews.de" hat dann widerum die ebenfalls der rechten Szene zugehörige Seite "Der BRD-Schwindel" ohne meine Zustimmung und ohne Quellenangabe, abkopiert.

1. Ich verwahre mich gegen die unrechtliche Nutzung meines geistigen Eigentums.
 
2. Die geistige Gesinnung dieser Internetseiten entspricht in keinster Weise meiner politischen Einstellungen und werden von mir zutiefst verachtet.
 
3. Ich distanziere mich von den, allein durch die Geisteshaltung der Kopisten, meinen Text entstellenden Veröffentlichungen.

Rechtlich zu belangen sind beide Seiten angesichts meiner beschränkten finanziellen Möglichkeiten nicht und der Versuch hätte auch wenig Aussicht auf Erfolg. Denn während die Seite "Der BRD-Schwindel" gänzlich auf ein Impressum verzichtet, gibt die Seite "Anonymousnews.de" im Impressum als Adresse an:
Deutscher Widerstand
anonymousnews.de
Havanska 1087/3a
17000 Prag
Tschechische Republik
In diesem Gebäude befindet sich angeblich der Sitz von "Deutscher Widerstand anonymousnews.de"...
...im Hinterhof diese heruntergekommenen Mietshauses.

In der Haustür hängt ein leider weitgehendes unleserliches Schild mit dem Hinweis auf das Hinterehaus.
Die Seite gehört zweifellos zu dem Netzwerk um den untergetauchten Mario Rönsch. Rönsch ist mutmasslicher Betreiber der mittlerweile gesperrten Facebookseite "Anonymous.Kollektiv".  Die Seite hat allerdings nichts mit der Hackergruppe Anonymous zu tun. Die Hacker von "Anonymous" haben sich des öfteren von der Facebookseite distanziert.


Wie die Süddeutsche berichtet hatte "Anonymous.Kollektiv":
"gegen Flüchtlinge, Muslime und die Bundesregierung gehetzt, Politiker beleidigt und offen zu Gewalt und Selbstjustiz aufgerufen."
Dabei ist Rönsch kein unbeschriebenes Blatt. Die Süddeutsche berichtet weiter:
"Der Staatsanwaltschaft Erfurt liegen mehrere weitere Anzeigen gegen Rönsch vor. Dem zuständigen Staatsanwalt zufolge ist Rönsch "recht erfahren, was Strafverfahren angeht". Als Geschäftsführer von Adfanyo handelte Rönsch mit Facebook-Likes, er ist mehrfach vorbestraft und wurde unter anderem wegen Betrugs und Insolvenzverschleppung belangt."
Den Schluss, dass auch hinter "Anonymousnews.de" Rönsch steckt, zog auch schon die Süddeutsche:
"Bevor AK aus dem Netz verschwand, tauchten auch dort Links zu Anonymousnews.de auf. Es scheint gut möglich, dass Rönsch versuchte, sich mit dieser Webseite ein weiteres Standbein aufzubauen."
 Noch einmal: Mir ging es in meinem post vom Dezember 2014 einzig und allein darum, die Kontakte der Grünen-Bundestagsabgeordneten Marieluise Beck zur US-amerikanischen Rüstungsindustrie, zu den Energiemulties und den US-Neocons aufzudecken und publik zu machen. Ich distanziere mich daher ausdrücklich von dem untauglichen Versuch meinen Text in die rechtsradikale Propaganda von "Anonymousnews.de" und "Der BRD-Schwindel" einzubinden.

Mittwoch, 6. Juli 2016

Beitrag der ARD-Dokureihe "Fakt" - absolut faktenlos

 "Fakt" so der Name einer Sendereihe in der ARD, in der uns am Montag abend der Beitrag "Spiel im Schatten - Putins unerklärter Krieg gegen den Westen" (auch auf You Tube: https://www.youtube.com/watch?v=dLRNvUCLQPQ) geboten wurde, geradezu ein Lehrbeispiel für Propaganda. Soll der Titel der Sendereihe, "Fakt" dem Zuschauer doch suggerieren, hier würden, um es mit einem bekannten Macher eines ebenso bekannten Wochenblattes zu sagen, nichts als "Fakten, Fakten, Fakten", geboten.

 Allerdings sah sich der zuschauende Gebührenzahler wieder einmal von der ARD grob getäuscht. Denn was der 30-minütige Beitrag ausser Vermutungen, unbewiesenen Behauptungen, und ebenso unbewiesenen Verdächtigungen auf keinen Fall zu bieten hatte, waren Fakten. Wenn aber jemand Vermutungen, Behauptungen und Verdächtigungen öffentlich verbreitetet, die zu einer vorher festgelegten Schlussfolgerung führen sollen, dann nennt man das gemeinhin Propaganda. Oder wie "Wikipedia es formuliert:
"Propaganda (von lateinisch propagare ‚weiter ausbreiten, ausbreiten, verbreiten‘) bezeichnet einen absichtlichen und systematischen Versuch, öffentliche Sichtweisen zu formen, Erkenntnisse zu manipulieren und Verhalten zum Zwecke der Erzeugung einer vom Propagandisten oder Herrscher erwünschten Reaktion zu steuern."
Und Wikipedia fügt einen Satz hinzu, den man auch heute wieder getrost unterzeichnen kann, der aber auch darauf hinweist, dass Propaganda den hiesigen Medien von Anfang an, keineswegs fremd war:
"In der Bundesrepublik wurde Propaganda zu Zeiten des Kalten Krieges in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten und privaten Medien sowie in vielen übrigen Bereichen des täglichen Lebens eingesetzt, oft mit starker Wendung gegen die DDR."
 Beliebigkeit ist also schon seit Anbeginn der Bundesrepublik Deutschland ein Merkmal der öffentlichen Berichterstattung, auch und besonders bei ARD und ZDF. Man passt sich halt an, beobachtet nicht kritisch die politisch Handelnden, sondern begleitet sie wohlwollend und liefert Stichworte. Man erzeugt Gefühle von Bedrohung, Unterlegenheit und Hilflosigkeit gegenüber einem verschlagenen fast übermächtig erscheinenden Gegner.

 So lenken die Medien von den wirklichen Problemen ab und schaffen Handlungsfreiräume für die Mächtigen um ihre Entscheidungen so zu treffen wie sie für sie selbst am vorteilhaftesten sind. Ein Beispiel aus der ersten Dekade der 2000er Jahre soll das hier stellvertretend beleuchten.

 Eine Umverteilung von Unten nach Oben in bislang unbekannten Ausmassen stand an. Die Eliten brauchten Kapital um an den Börsen dieser Welt in grossem Masse zu spekulieren. Wetten auf Alles und Jeden wurden abgeschlossen. Man spekulierte auf den Ölpreis, die Zinsentwicklung auf die Währungen. Die Wohlfahrt ganzer Länder wurde von den Spekulanten aufs Spiel gesetzt und nicht selten verzockt. Da wollten die Deutschen nicht abseits stehen.

 Für die Sozialsysteme war da kein Platz mehr. Also ging die rot-grüne Bundesregierung unter Kanzler Schröder daran, die deutsche paritätische Sozialversicherung, bisher beispielhaft auf der Welt auf dem Müllhaufen der Geschichte zu entsorgen. Da das aber eine soziale Verschlechterung für die allermeisten Deutschen brachte und somit für Unruhe gesorgt hätte, mussten die Empfänger von Sozialleistungen diskreditiert werden. Also gingen unsere Medien daran, aus allen Sozialhilfeempfängern, aus allen Rentnern, aus allen Arbeitslosen Schmarotzer des Sozialsystems zu konstruieren. Wer erinnert sich nicht an das böse Wort von der sozialen Hängematte oder den Satz des SPD-Vorsitzenden Müntefering:
"Wer nicht arbeitet soll auch nicht essen!"
 Nicht die um die nackte Existenz kämpfenden Niedriglöhner, nicht die alleinerziehenden Mütter, nicht die ohne Schuld in die Arbeitslosigkeit geratenen Menschen bestimmten das Bild, der auf die Solidarität der Gemeinschaft angewiesenen, sondern Menschen wie Arno Dübel, "Deutschlands frechster Arbeitsloser", wie die Bildzeitung ihn nannte. Wer erinnert sich nicht an den Medienhype um Florida-Rolf, Viagra-Kalle, Yacht-Hans und Mallorca Karin, oder wie sie alle genannt wurden. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen präsentierte, in seinen damals so beliebten Talkshows Menschen, etwa bei Maischberger, wie Ralph Boes einen "Hartz IV Schnösel", wie die Bidzeitung ihn nannte, oder Moritz E. den Anne Will in ihrer Talkshow vorstellte, die sich jeder Arbeit verweigerten.

 Die Kampagne verfehlte ihr Ziel nicht. Bald schon galt jeder HartzIV-Empfänger als potenzieller Sozialschmarotzer. Deren Kinder wurden in der Schule und bereits im Kindergarten als "Hartzer" verspottet und gemobbt. Solidarität war ein Bergriff von gestern und vorgestern. Ab jetzt war sich jeder selbst der Nächste.

 Heute sind es die Russophilen, die Putinversteher, die Putintrolle. Jeder und Jede, die sich für einen, eigentlich selbstverständlichen Interessenausgleich zwischen der EU und Russland einsetzt, wird ausnahmslos in die rechte Schmuddelecke verortet, wird gleichgesetzt mit Populisten wie Elsässer und seinem Compact-Magazin, mit AFD-Anhängern oder Pegida-Spaziergängern. Prominente, die sich dafür einsetzen, den Gesprächsfaden mit Russland nicht gänzlich abreissen zu lassen, müssen sich unterschwelligen Verdächtigungen aussetzen. So beklagt sich "Der Tagesspiegel" in seiner Kritik an dem oben genannten Beitrag der ARD:
"...die deutschen Politiker, Wissenschaftler und Wirtschaftsvertreter, die seit Jahren in Netzwerken mit der Moskauer Führungselite aufs engste verbunden sind oder gar einen lukrativen Job in Russlands Energiebranche angenommen haben, kommen in diesem Film gar nicht erst vor."
 Während die eigene Volksverdummung, man denke an die Kampagne für Julia Timoschenko, die geradezu zu einer, an einem, nur im Westen behandelbaren Rückenleiden erkrankten und unmittelbar nach ihrer Freilassung aus dem Gefängnis wie durch ein Wunder genesenen und fröhlich auf der Bühne des Maidan umherspringenden, Märtyrerin gemacht wurde oder die ukrainische Kriegshetzerin Nadja Sawtschenko die, obwohl sie sich freiwillig zu dem faschistischen Kriegsverbrechern des Freicorps Ajdar meldete, in den deutschen Medien ausschliesslich als  ukrainische Pilotin bezeichnet wird, als seriöser Journalismus verkauft wird, wird russische Propaganda, die es unbestritten gibt, zu einem Medienkrieg hochstilisiert.

 Arndt Ginzel und Marcus Weller gehen in ihrem Machwerk:
"Spiel im Schatten - Putins uerklärter Krieg gegen den Westen"
 noch einen Schritt weiter. Sie reden nicht nur von einem Medienkrieg, bei ihnen wird daraus ein unerklärter Krieg, ein hybrider Krieg, den ein Mann, Putin, gegen den Westen führt. Um diese, bereits im Titel vertretene These wird eine mühsam zusammengeschraubte Konstruktion errichtet, die durch keinerlei Fakten untermauert wird.

 Ausganzpunkt ist der "Fall Lisa":
"Der Verfassungsschutz ist überzeugt, dass die Kampagne um Lisa von Russland iniziiert und organisiert wurde. Der Präsident hält das für eine absichtliche Provokation",
erklärt der Sprecher aus dem OFF.
"Bei dem Fall Lisa wurde in der Tat deutlich, dass das Thema Flüchtlingspolitik von der russischen Seite in der Weise instrumentalisiert wurde, dass eine völlig erfundene Geschichte von Lisa, sie sei von einem Imigranten vergewaltigt worden, instrumentalisiert wurde, um Einfluss zu nehmen."
 Hans-Georg Maaßen, Präsident des Bundesverfassungsschutzes, bedient sich eines alten aber sehr effizienten Tricks: Er nimmt einen Einzelfall, den "Fall Lisa" und erklärt ihn zur Methode. Dabei nutzt er seinen Status, den eines Experten, der ihm Kraft seines Amtes vermeintlich zukommt. Dieses Amt, des Präsidenten des Verfassungsschutzes, entbindet ihn quasi von der Pflicht, seine Behauptungen durch Fakten belegen zu müssen. Als Präsident des Verfassungsschutzes, so wird ohne es auszusprechen, angenommen, dass er über Informationen verfügt, die dem durchschnittlichem Bürger nicht zugänglich sind. Ausserdem gewährt ihm die Höhe seines Amtes eine gewisse Reputation - "so ein Mann lügt nicht".

Im nächsten Satz greift Maßen zum nächsten Psycotrick:
"Und zeigt natürlich auch die Möglichkeiten auf, über die im Grunde genommen Russland hier in Deutschland verfügt, nämlich an einem Wochenende so viele Menschen auf die Strasse zu bringen."
 Wieder wird ein Einzelfall systematisiert. Zusätzlich wird ein Angstszenarium aufgebaut. Ein böser machiavellistischer Feind im fernen Moskau hat Deutschland bereits dermassen unterwandert, dass wir nicht mehr Herr im eigenen Hause sind. Überall lauern die Mitglieder der fünften Kolonne Moskaus: Der Busfahrer, die Bauarbeiter , die vor dem Haus den Kanal erneuern, die nette Verkäuferin an der Wursttheke im Supermarkt, der Altachtundsechziger im alternativen Buchladen, die Lehrerin der eigenen Kinder, vielleicht sogar der Nachbar im gleichen Haus, sie alle könnten "Schläfer" sein, die auf einen geheimen Befehl aus dem Kreml hin, sich erheben und unsere "freiheitlich-demokratische Ordnung" zerstören.

 Wie heisst es doch in dem Film ab Minute 6:45:
"Die Täter kommen nicht mehr nur aus dem rechtsradikalem Spektrum, sondern zunehmend auch aus der sogenannten Mitte der Gesellschaft."
  Krampfhaft versuchen die Autoren, die etwas gewagten Behauptungen des Herrn Präsidenten zu untermauern. Als erstes Indiz führen sie den Besuch des Vorsitzenden des "Internationalen Konvents der Russlanddeutschen" Heinrich Groth" in Moskau an:
"Heinrich Groth war kurz vor der Demonstration in Moskau, gab sogar ein Interview zum 'Fall Lisa' im russischen Fernsehen."
Dieser Umstand allein muss dem Fernsehzuschauer eigentlich schon reichen, um eine Verschwörung der Russlanddeutschen mit den Herren des Kreml für ausgemacht zu halten. Doch der Mann macht sich noch verdächtiger, indem er alles rundheraus abstreitet:
 "Doch im Auftrag des Kreml will er die Demonstration nicht angemeldet haben."
 Die Macher des Films legen nach, sie holen Groth selbst vor die Kamera:
"Jetzt heisst es ja, sie haben sich da quasi Instruktionen geholt in Moskau",
fragt ein Mann hinter der Kamera. Groth zeigt sich hartleibig streitet dreist die Tatsache der Weisung aus dem Kreml ab:
"Nun ja, das will jemand so verkaufen."
Groth lacht, der Mann lacht den Reportern frech ins Gesicht und er schreibt dem Herrn Verfassungsschutzpräsidenten ins Stammbuch, das sie schlechte Arbeit geleistet hätten, die Sicherheitskräfte die Deutschen die Russischen und alle anderen, die dazu noch etwas sagen wollen oder können:
"Schlechte Arbeit"
sagt er noch einmal und lacht.
"Mit wem hat die russische Führung über den 'Fall Lisa' und seine Bedeutung für die deutsche Innenpolitik gesprochen?"
Die Frage ob die "russische Führung" überhaupt mit irgendjemanden gesprochen hat, wird gar nicht erst gestellt. Sie hat, das steht mal fest für die Autoren, mit jemanden gesprochen, also kann die Frage nur lauten mit wem? Und wie es so ist, wenn man in der Grauzone der Geheimdienste, der Verschwörungen und der geflüsterten Worte unterwegs ist:
"Wir bekommen einen Tip! - Auf der Demonstration vor dem Kanzleramt sprach auch ein Mann Namens Dimitri Rempel. Er ist Vorsitzender der Minipartei 'Die Einheit', die einen strammen putinfreundlichen Kurs vertritt."
 Nun mag dem ein oder anderen der Gedanke durch's Gehirn wandern, was denn bitte schön ein offenbar sektiererischer Spinner und Vorsitzender einer "Minipartei" Namens Dimitri Rempel mit der "Bedeutung für die deutsche Innenpolitik" zu tun haben soll? Die bedrohlich klignende Antwort kommt vom Sprecher aus dem OFF:
"Herr Rempel hat beste Kontakte in Russland",
was schon allein zu den grössten Befürchtungen berechtigt. Aber damit nicht genug. Er war auch noch:
"...zur fraglichen Zeit zu Gesprächen mit Regierungsvertretern in Moskau."
 Uns wird weder verraten, wer denn diese Regierungsvertreter in Moskau waren, noch welchen Rang sie in der dortigen Regierungshierarchie innehaben. War es nur irgendein Mitarbeiter? War es ein Behördenleiter, ein Staatssekretär, ein Minister oder gar der Leibhaftige, Putin selbst?
"Wir fliegen nach Köln, um ihn zu fragen, was genau er mit der russischen Regierung über den 'Fall Lisa' besprochen hat?"
Für die Autoren steht ausser Zweifel, dass Rempel mit der russischen Regierung irgendetwas über den 'Fall Lisa' besprochen hat. Eine andere Option, ein anderes Gesprächsthema ist für sie jenseits jeglicher Realität. Was sie zu dieser Annahme gebracht hat, verraten sie uns nicht.

 Aber auch Rempel zeigt sich verstockt, leugnet jegliche Befehle oder Instruktionen der Russen zur Unterwanderung der deutschen Gesellschaft. Er stellt seine Gespräche mehr auf eine informelle Stufe:
"Natürlich wurde bei uns mal angefragt, wie sieht die Situation aus? Ob das stimmt oder nicht stimmt? Ob solche Fälle nur Einzelfälle sind oder nicht? Ob, was die Medien darstellt, stimmt oder nicht stimmt? Natürlich haben wir auch mal darüber diskutiert und mal gesprochen, so was, wie ist unsere Meinung über die Kölner Situation, hier mal über die Kölner Geschichte in der Sylvesternacht oder auch mal viel gesprochen. Ja das war reine Meinungsaustausch."
 Das war's - mehr haben Ginzel und Weller nicht zu bieten, mehr können sie nicht liefern. Kein, auch nur ansatzweise, die Behauptungen des Präsidenten des Verfassungsschutzes untermauernder oder gar beweisender Fakt, nur Vermutungen und die Aneinanderreihung von Verdächtigungen. Trotzdem scheint es ihnen geboten ein Resümee zu ziehen:
"Kurz zusammengefasst: Während sich das Verhältnis zwischen der Bundesrepublik und der russischen Föderation wegen der Ukrainekrise auf einem Tiefpunkt befindet, hetzt eine Desinformationskampagne die russische Minderheit in der Bundesrepublik auf. Massive Propaganda verstärkt die negative Stimmung in der Flüchtlingskrise. Massendemonstrationen und Übergriffe setzen die Regierung zusätzlich unter Druck. Destabilisierung nennt man das. Und sie ist Teil einer Strategie, die man hybride Kriegsführung nennt."
 Gute zehm Minuten Sendezeit, also über ein Drittel der Gesamtlänge hat es gedauert um endlich bei dem uns im Titel versprochenem Krieg, den uns angeblich Putin aufzwingt, zu kommen. Zehn Minuten Sendezeit, damit vergeudet, mit zwanghaften Bemühungen einen Krieg herbeizureden, den es, zieht man Fakten zu Rate, gar nicht gibt.

 Hybrider Krieg, das ist das Stichwort für Stefan Meister. Meister macht uns den Erklärbär:
"Das Konzept des hybriden Krieges gibt es in der russischen Strategieplanung im russischen Generalstab in der russischen Debatte seit ungefähr Jahr 2012..."
Der Rest des Satzes bleibt den Zuschauern verborgen. Die ARD setzt hier, warum auch immer, einen radikalen Schnitt.
"Es ist eben keine reine Medien- oder PR- oder Softpowerstrategie. Sondern es ist eben der Generalstab, es ist der Geheimdienst, es ist vor allem das russische Militär, was diese Methoden entwickelt hat und was sie anwendet."
Alles verstanden? Wahrscheinlich weiss nun immer noch niemand mit was wir da bedroht werden, aus dem Osten.

Wenden wir uns ab von diesem ausgemachten Blödsinn und fragen uns lieber, warum gerade jetzt dieser Beitrag über die uns alle bedrohende Gefahr aus Moskau gesendet wird. Der "Fall Lisa", der hier immer wieder thematisiert wird, liegt immerhin schon ein halbes Jahr zurück. Bei der Beantwortung dieser Frage kann uns Stefan Meister schon eher behilflich sein. Ist er doch Programmleiter Osteuropa, Russland und Zentralasien, des Robert Bosch-Zentrum für Mittel- und Osteuropa, Russland und Zentralasien bei der "Deutschen Gesellschaft für auswärtige Politik e.V.", kurz DGAP.

 Die DGAP ist das deutsche Pendant zum US-amerikanischen "Council on Foreign Relations" und eng verbunden mit dem "Catham House". Beide Organisationen sind die prägenden Denkfabriken in der US-Aussenpolitik und eng verwoben mit dem militärisch-industriellen Komplex in den USA.

Auch die deutsche DGAP, die sich in ihrer Selbstdarstellung als unabhängig bezeichnet, ist nur lebensfähig mit den mächtigen Finanzspritzen aus der Rüstungsindustrie. So steht an der Spitze der Zuwender neben dem Auswärtigen Amt, die Airbus Group, eines der grössten Rüstungsunternehmen Europas. Weitere Unterstützer sind die Daimler AG, Huawei Technologies Deutschland GmbH, Shell Deutschland Oil GmbH, Fritz Thyssen Stiftung, Evonik Industries AG, The German Marshall Fund of the United States, Rheinmetall AG, BASF SE, Bayer AG, Robert Bosch GmbH, Lockheed Martin Overseas Services Corporation, Siemens AG, Eurojet Turbo GmbH, usw., usw.

Zum Präsidium zählen unter anderen die Politiker Nils Annen, SPD - Elmar Brook, CDU - Karsten D. Voigt, SPD - der langjährige Chef der Münchner Sicherheitskonferenz Wolfgang Ischinger - der Vorstandsvorsitzende der Airbus Group und ehemalege Vorsitzende der Atlantikbrücke, Thomas Enders.

 Am kommenden Wochenende dem 8. und 9. Juli findet das Treffen der Staats- und Regierungschefs der Nato in Warschau statt. Auf dieser Tagung stehen weitreichende Beschlüsse auch zur Aufrüstung der Nato auf dem Programm. Da macht es sich natürlich gut, wenn das Potenzial der Bedrohung so gross wie eben möglich gezeichnet wird. Ein Krieg kommt da gerade Recht. Ein Schelm wer böses denkt.